Er soll am Dienstag schon in Frankfurt landen

30 Jahre nach US-Haft: Doppelmörder Jens Söring kommt zurück nach Deutschland

Jens Söring in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich". Der Film basiert ausschließlich auf realen Ereignissen. Foto: Farbfilm
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14. Dezember 2019 - 12:13 Uhr

Freiheit nach 12.000 Tagen

Mehr als 30 Jahre sitzt der Deutsche Jens Söring wegen Doppelmordes in einem US-Gefängnis. Jetzt wird er freigelassen und wartet auf seine Abschiebung. Nach Informationen des "Spiegel" soll der 53-Jährige am Dienstag per Linienflug nach Deutschland zurückkehren.

Söring behauptet seit Jahrzehnten, er sei unschuldig

Jens Söring
Jens Söring wurde wegen zweifachen Mordes zu zweimal lebenslänglich verurteiltl
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Ein neues Leben wartet auf Jens Söring. Sein Anwalt Steven Northup erzählt im RTL-Interview, wie Söring auf die Freilassung reagiert hat: "Er hat mich angerufen, kurz bevor er in die Abschiebehaft gekommen ist und er war total aufgeregt." Das zuständige Gremium im US-Bundesstaat Virginia hatte im November entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben.

Der Deutsche war 1990 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Immer wieder hatte er darum gebeten, vorzeitig entlassen zu werden. Er behauptet nämlich seit Jahrzehnten, er sei unschuldig, habe aus Liebe ein falsches Geständnis abgelegt.

Im Video: Hier geschah der blutige Doppelmord im Fall Söring

1984 kommt der hochbegabte Jens Söring mit einem Stipendium an die Uni in Virginia. Er ist gerade 18 und lernt dort die zwei Jahre ältere Elizabeth Haysom kennen. Sie kommt aus gutem Hause, ist das beliebteste Mädchen der Uni, alle Jungs stehen auf sie. Auch Jens, der deutsche Nerd mit der Hornbrille. Obwohl die beiden so unterschiedlich sind, verlieben sie sich und werden ein Paar. Aber Elizabeth hat große Probleme: Sie nimmt Drogen, wie sie später selber zugibt.

Sie erzählt Jens: Ihre Eltern würden sie nonstop kontrollieren, seien gegen die Beziehung der beiden und ihre Mutter würde sie sexuell missbrauchen. Und nur drei Monate nachdem Jens und Elizabeth zusammen kommen passiert das, was sie bis heute hinter Gitter bringt.
Es ist der 30. März 1985. Was die Ermittler in dieser Villa vorfinden, ist ein Albtraum. Elizabeth' Eltern wurden auf bestialische Art erstochen. Ihre Köpfe fast abgetrennt. Nichts deutet darauf hin, dass jemand gewaltsam in das Haus eingedrungen ist. Die Opfer scheinen ihren Mörder gekannt zu haben. Und angeblich gesteht Elizabeth Jens später, dass sie es getan hat:

Im Video: Exklusives Interview mit Jens Sörings Anwalt - er glaubt fest an Unschuld

Die Polizei ermittelt gegen das Paar und um seine große Liebe vor der Todesstrafe zu retten, behauptet Jens, er habe Elizabeths Eltern ermordet: "Ich habe sie geliebt und ich dachte, ich könnte sie nur vor dem elektrischen Stuhl retten, wenn ich die Schuld auf mich nehme. Ich dachte ich müsste dafür nur ein paar Jahre in ein deutsches Gefängnis."

Söring hatte nämlich gehofft, dass er als deutscher Diplomatensohn Immunität genieße. Aber schnell bemerkt er: Sein Geständnis war der größte Fehler seines Lebens. "Rückblickend weiß ich, dass ich diese Frau nie gekannt habe. Ich habe mein Leben zerstört, ich habe das Leben meiner Eltern zerstört, ich habe so vielen Menschen so viel Unglück gebracht, weil ich dachte, dass es sich um Liebe drehte, aber die Liebe gab es nicht."

Jens widerruft sein Geständnis. Aber keiner glaubt ihm. Zurecht, wie er heute selber sagt: "Ich habe ganz am Anfang der Geschichte ganz schrecklich gelogen. Man kann mir gar nicht glauben." Das ehemalige Paar beschuldigt sich nun gegenseitig. Aber die Ermittler glauben: Sie haben den Mord zusammen begangen. Sie verurteilen Eizabeth letztendlich wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Knast. Jens kriegt zweimal lebenslänglich. Eindeutige Beweise gegen ihn gibt es allerdings keine und mit der Zeit zweifeln immer mehr Ermittler an Jens' Schuld.

Trotzdem wird er nun freikommen, weil es heißt: Er sei zum Zeitpunkt der Tat jung gewesen und habe bis heute eine lange Haftstrafe verbüßt. Eine weitreichendere Erklärung gibt es nicht.