RTL-Trendbarometer zur Stimmung im Osten

30 Jahre nach der Wende: So geht es den Menschen aus der ehemaligen DDR heute

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12. August 2019 - 18:48 Uhr

Von Philipp Sandmann und Gregor Keitel aus dem RTL-Hauptstadtstudio

Geht es den Menschen in den neuen Bundesländern heute besser? Das Meinungsforschungs-Institut forsa hat für das RTL/ntv-Trendbarometer Menschen aus der ehemaligen DDR befragt. Dem Großteil geht's besser, aber es fühlen sich immer noch Menschen allein gelassen.

30 Jahre nach dem Fall der Mauer – Wie sieht es in den Regionen aus?

Es ist viel los im Autohaus Cottbus: überall wird an Autos geschraubt, lackiert und in den Verkaufsräumen finden Beratungsgespräche statt. Jeder Mitarbeiter, der den Chef Hagen Ridzkowski sieht, gibt ihm die Hand. Die Stimmung ist gut, die Menschen freundlich. Hagen Ridzkowski (59, Foto) leitet heute das Autohaus in Cottbus, bei dem er in den 70ern seine Lehre machte. Eine schöne Geschichte. Stolz zeigt er die Fotos des Kraftfahrzeuginstandhaltungsbetriebs" - so hieß das zu DDR-Zeiten - und was er daraus seit Anfang der 90er gemacht hat. Die Wiedervereinigung gab ihm dazu alles, was er brauchte: "Wir können kreativer sein, wir haben keine Mangelwirtschaft mehr, wir haben alle Möglichkeiten", beschreibt er die Zeit nach der DDR.

Er war einer der ersten, der nach der Wende Mercedes Autos verkaufen wollte. Dazu gehörte viel unternehmerischer Mut und auch ein bisschen Glück. Der Schritt gelang - heute hat Ridzkowski sechs Standorte rund um Cottbus, insgesamt beschäftigt er über 200 Mitarbeiter und 30 Lehrlinge.

Dem Großteil der ehemaligen DDR-Bürgern geht es heute besser

Eine aktuelle forsa-Umfrage hat sich mit der Stimmung in Ostdeutschland befasst: Wie geht es den Menschen heute, die vor 30 Jahren noch in der DDR gelebt haben? Der Großteil sagt: es geht uns besser – genau genommen 69 Prozent. Nur 9 Prozent haben das Gefühl, dass es ihnen persönlich schlechter geht. Vor allem Wähler von LINKE (14 Prozent) und AfD (15 Prozent) sind dieser Meinung. Aber auch hier geben immer noch zwei Drittel an, ihnen gehe es besser.

Als Gründe für ein schlechteres Leben geben die Menschen vor allem drei Dinge an: zu geringe Renten, zu hohe Mieten und Angst vor dem Verlust des Jobs. Aber auch mit den Politikern ist jeder zehnte unzufrieden.

Kramp-Karrenbauer bekommt "sächsische" Nachhilfe

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will genau da ansetzen und das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen - geht drei Wochen vor den wichtigen Wahlen in Ostdeutschland nochmal auf Tuchfühlung mit Regionalpolitkern ihrer Partei. Am Montag treffen die Kreisvorsitzenden der Union aus Sachsen im Konrad-Adenauer-Haus ein. In der Vergangenheit gab es bereits Kritik an AKK. Sie würde "spezifisch ostdeutsche Erfahrungen" ablehnen. Besonders ihre "zum Teil herablassende und pauschale Kritik" an Russland würde im Osten ignorant wirken.

Wegweisende Wahlen im September

Wenn am 1. September in Ostdeutschland gewählt wird, dann wird das auch ein deutliches Zeichen an die Politik im Bund sein. Den Menschen fehlt es oft einfach an Vertrauen. Autohaus Chef Ridzkowski aus Cottbus weiß woher dieses Gefühl kommt. "Die Menschen hier haben ja schon mal verloren nach der Wende, deswegen sind die Menschen ängstlich. Sie haben Angst, nochmal von vorne anzufangen", so der 59-Jährige. Zurzeit gewinnt die AfD in der Region immer mehr an Zuspruch. Oft aus Protest gegen die etablierten Parteien. Denen bleiben jetzt nur noch drei Wochen um den Menschen vor Ort zuzuhören. Und sie zu überzeugen, bis sie dann am Sonntag ihr Kreuz machen.