Schwere Verletzungen - doch der Gurt rettete ihr das Leben

22-jähriges Unfallopfer sagt: Der Sicherheitsgurt habe sie "fast entzweigerissen"

2. August 2019 - 16:24 Uhr

Sind diese Verletzungen üblich?

Gina Arnold (22) aus Michigan in den USA hatte großes Glück in großem Unglück. Bei einem Autounfall im Oktober 2017 verlor sie im Regen die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Laut einer Zeugin habe sie sich sieben Mal überschlagen und dann einen Baum gerammt. Doch Gina hat den Horrorunfall überlebt – weil sie angeschnallt war. Doch obwohl der Sicherheitsgurt ihr ganz klar das Leben rettete, hinterließ dieser aufgrund des heftigen Aufpralls schlimme Verletzungen. Wir haben beim ADAC nachgefragt, wie üblich die Unfallfolgen von Gina sind und was man eigentlich beim Anlegen des Gurts beachten sollte.

So schlimm war Gina nach dem Unfall zugerichtet

Laut den Ärzten, die die 22-jährige Studentin nach dem Unfall behandelten, habe der Gurt ihre Bauchdecke "wie ein Schwert durchtrennt". Das lebensrettende Objekt habe sie beinahe entzweigerissen und Verletzungen hinterlassen, die die Ärzte in diesem Ausmaß nicht kannten. Dies berichtet Gina Arnold unter anderem im Gespräch mit der "Daily Mail". "Obwohl er [der Sicherheitsgurt] mir das Leben rettete, verursachte er viele lebensbedrohliche Verletzungen".

Darunter:

  • komplett gerissene Bauchdecke (als riesige Hernie* eingestuft)
  • zwei kollabierte Lungenflügel
  • Prellungen
  • Schulter- und Schlüsselbeinbruch
  • Beinbruch
  • Schnitt an der linken Fußsohle

Gina lag nach dem Crash drei Tage im Koma und drei weitere Monate auf der Intensivstation. Sie musste insgesamt 20 Mal operiert werden. Die letzte OP, die ihre Bauchdecke wiederherstellte, erfolgte 14 Monate nach dem Autounfall. Vorher war sie bis zur OP offen, weshalb Gina Bettruhe verschrieben bekam,

Die Narben sind noch immer zu sehen und Gina darf für den Rest ihres Lebens nicht mehr springen oder schwer heben. Doch anfangs hatten die Ärzte nicht einmal damit gerechnet, dass sie überhaupt das Krankenhaus verlassen könnte. "Viele Chirurgen dachten, ich würde nie wieder eine normale Lebensqualität haben, also habe ich viele von ihnen überrascht."

Was ist eine *Hernie?

Bei einer Hernie handelt es sich um verschiedene Arten von Bauchwandbrüchen. Dabei werden die Organe im Bauch so fest gegen die sie umschließende Wand gedrückt, dass Bauchfell, Bauchfett oder die Organe selbst durch die Bauchwand treten können. Bei Gina sei die Hernie so groß gewesen, dass ihr Bauch durch die nicht mehr von der Wand zusammengedrückten Organe auf die dreifache Größe anwuchs.

ADAC ermahnt: Durch solche Geschichten könnte Angst vorm Anschnallen geschürt werden

Wir haben den ADAC um eine Einschätzung zu Ginas Geschichte gebeten. Der Automobilclub stellt ganz klar dar: "Mit Gurt ist es immer besser als ohne. Ein Gurt wird immer mehr Verletzungen verhindern als verursachen. Ein Gurt rettet Leben." Deshalb solle das Schicksal der jungen Frau nun keinesfalls dafür sorgen, "dass man sich aus Angst vor Verletzungen nicht mehr anschnallt."

Crashtests des ADAC haben gezeigt, dass bei einem Aufprall mit 64 km/h gegen ein gleichschnell entgegenkommendes Auto Kräfte des 40-fachen Körpergewichts auf die Unfallopfer einwirken. Bei einem Gewicht von 80 Kilogramm müsste der Gurt somit 3,2 Tonnen Gewicht halten. "Es ist illusorisch zu denken, dass man sich ohne Gurt abstützen kann – der Gurt ist also lebensnotwendig", so ein Sprecher des ADAC. Durch die Einwirkung dieser Kräfte könne man sich blaue Flecken oder einen Schlüsselbeinbruch zuziehen. Das sei jedoch "alles besser, als ums Leben zu kommen".

Zum Vergleich: In Deutschland schnallen sich laut Verkehrsministerium 98 Prozent der Fahrer und Beifahrer an. Doch auf die wenigen Nicht-Angeschnallten entfallen Zahlen des ADAC zufolge deutschlandweit 16,6 Prozent aller tödlich verunglückten Pkw-Fahrer.

Im Video: Schock-Kampagne aus Neuseeland zeigt, wie wichtig Anschnallen ist

Worauf muss man beim Anschnallen achten?

Wir haben beim ADAC außerdem nachgefragt, ob es Fehler beim Anschnallen gäbe, die Verletzungen begünstigen. Als Fahrer oder Beifahrer eines Autos, sollte man stets darauf achten, dass der Sicherheitsgurt korrekt angelegt ist:

  • Der Gurt muss stets stramm anliegen.
  • Der Gurt darf nicht "verdreht" sein.
  • Der Beckengurt sollte unterhalb der Gürtelschnalle liegen und fest angezogen sein.
  • Der Beckengurt muss ganz unten um den Bauch und am Rand über die Hüftknochen geführt werden.
  • Der Schultergurt sollte nicht verdreht sein und nicht am Hals schneiden – viele Gurte lassen sich in der Höhe verstellen.
  • Voluminöse Kleidung wie z. B. Wintermäntel oder wattierte Anoraks sollten vor Fahrtantritt abgelegt werden, da sonst die Funktion des Gurts (insbesondere des Gurtstraffers) eingeschränkt ist.
  • Handys oder Kugelschreiber zwischen Gurt und Körper vermeiden.
  • Es ist darauf zu achten, dass der Sitz und umklappbare Rückbänke fest eingerastet sind.

„Ich bin einfach nur dankbar, dass ich noch hier bin!“

Es ist natürlich tragisch, dass Gina Arnold aufgrund des Sicherheitsgurts viele schwere Verletzungen erlitten hat, doch ohne würde sie heute wahrscheinlich nicht leben. Das weiß auch die 22-Jährige: "Ich habe so ein Glück, dass ich noch lebendig bin und in der Lage war, etwas so Verrücktes und Seltenes zu überstehen. Ich bin einfach nur dankbar, dass ich noch hier bin."