200 Jahre Kneipp

Kneipp-Therapie - wie wirksam ist die Methode wirklich?

12. August 2021 - 16:31 Uhr

Kneippen ist cool

Kaltes Wasser auf die Innenseite der Arme - das ist der Kneippsche Espresso. Ein Trick zum Wachwerden, den es schon ziemlich lange gibt. Sein Erfinder würde jetzt seinen 200. Geburtstag feiern: der Pfarrer Johann Sebastian Kneipp, der mit seiner Wassertherapie berühmt wurde. Aber was ist genau damit gemeint? Das sehen Sie im Video. Und im Text erfahren Sie, was Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht zur Kneipp-Kur und ihrer Wirksamkeit sagt.

Der Storchengang

Das sogenannte "Wassertreten", das zur Kneipp-Kur klassisch dazu gehört, sieht aus wie ein Storchengang. Wer dahinter einen medizinischen Grund vermutet, liegt jedoch falsch. Wie Dr. Christoph Specht im RTL-Interview erklärt, hat diese Technik lediglich mit der Verdrängung des Wassers zu tun. Würde man normal durch das Wasserbecken laufen, würde man nämlich ordentliche Wellen produzieren, die man aber nicht haben will.

Es muss nicht unbedingt das Wasserbecken sein

Ein wesentlicher Bestandteil der Kur ist natürlich Wasser. Wie Dr. Specht aber betont, ist das Wasserbecken nicht unbedingt nötig, eine normale Dusche tut es auch.

Wenn Sie sich bislang vor den "Kneippschen Güssen" geziert haben, weil Sie nach dem Aufstehen aus dem warmen Bett nicht gleich unter die kalte Dusche wollten, dann hat der Experte eine gute Nachricht für Sie. Man solle nämlich zunächst warm duschen und sich erst am Ende für ein paar Momente unter kaltes Wasser stellen.

Auch der Experte selbst nutzt diese Art der Erfrischung am Morgen. Aber er betont: "nicht im Sommer". Denn das sei zu anstrengend für den Körper. Im Winter hingegen kann man sich ruhig täglich unter den nass-kalten Schauer stellen.

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Mehr Antikörper durch Kneipp

Ein besseres Immunsystem, weniger Erkältungen und insgesamt fitter. Das verspricht man sich meistens von den Kneippschen Methoden. Wie wirksam sie tatsächlich sind, hat Dr. Christoph Specht im Interview erklärt.

Studien bestätigen: Personen, die regelmäßig die Verfahren nach Sebastian Kneipp anwenden, verspüren weniger Schmerzen, so sagt der Experte. Sogar nach einmaliger Anwendung sei eine langanhaltende Schmerzlinderung beobachtet worden.

Dr. Specht sagte im Interview auch, dass eine Doktorarbeit, die sich mit dem Thema beschäftigt hat zu dem Ergebnis führte, dass die sogenannten Immunglobuline A, die quasi Antikörper an den Schleimhäuten sind, unter Anwendung der Wasser-Therapie um ein ein Viertel gestiegen sind.

Ob aber tatsächlich weniger Erkältungen auftreten, das kann man nicht sicher sagen, denn dafür fehlen der Forschung ausreichend Testpersonen und Anhaltspunkte. Was aber sicher ist, das betont Dr. Specht: "Schaden tut es nicht".

Ein Hinweis des Experten: Wenn Sie an starken Kreislauf- oder Herzrhythmusproblemen leiden, dann sollten Sie zuvor mit einem Arzt abklären, ob die Kneipp-Therapie für Sie geeignet ist.

Und zu guter letzt ein Tipp vom Profi: Nutzen Sie keinen spitzen Strahl für die kalte Dusche am Morgen sondern besser einen Schwall. In diesem Sinne: Happy Kneipping! (vho)