Nino de Angelo, Joachim Witt und "Der Checker" Alexander Wesselsky

12.500 Gothics feiern auf Amphi-Festival: So mischen Promis in der "Schwarzen Szene" mit

Das Amphi-Festival findet jedes Jahr in Köln statt.
Das Amphi-Festival findet jedes Jahr in Köln statt.
Claudia Schöne

von Denise Kylla

Eine Stadt färbt sich schwarz. Am Wochenende steigt auf dem Amphi-Festival am Kölner Tanzbrunnen eine riesige Gothic-Party mit 12.500 Menschen. Schwarze Klamotten, melancholischer Sound – das ist längst nicht mehr nur „Special Interest“. Auch Mainstream-Promis mögen es jetzt düster! Ganz vorne mit dabei: Schlagerstar Nino de Angelo. Der klingt plötzlich so gar nicht mehr nach Schlager. Der Grund: Ein bekannter Musiker aus der „Schwarzen Szene“ hat sein neues Album „Gesegnet und Verflucht“ produziert. Doch der „Jenseits von Eden“-Sänger ist nicht der einzige, der auf Gothic steht...

Köln: Erstes Amphi-Festival nach zweijähriger Pause

Anstellen in der Schlange, die Spannung steigt. Am Eingang zum Festivalgelände werden die Wochenendtickets gegen Stoffbändchen eingetauscht. Dresscode: Dark – wer schwarz gekleidet ist, gehört zur Familie. Zwei Jahre lang mussten die Anhänger der „Schwarzen Szene“ auf dieses Wochenende warten. Im Interview mit RTL sagte Veranstalter Marco Goethel im Juni 2020: „Wir sind den Fans sehr dankbar für die Zeit, die sie uns gegeben haben, um das Festival neu zu organisieren. Das Vertrauen der Fangemeinde in dieser Ausnahmesituation bedeutet uns besonders viel.“ Nach langer Corona-Pause ist es jetzt also endlich wieder soweit: das Festival mit Musik, Vorlesungen und Disco findet zum ersten Mal wieder statt. Mit circa 12.500 Besuchern ist es eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland.

Doch wer glaubt, die „Schwarze Szene“ sei nur etwas für eigenartige Nachtschattengewächse, liegt weit daneben. Während dunkle Looks und düstere Musik immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen, bekennen sich auch Promis zur Nacht und mischen die Szene auf.

Marco Geothel ist einer der Veranstalter des Amphi-Festivals.
Marco Geothel ist einer der Veranstalter des Amphi-Festivals.
Patrick Schneiderwind

"Jenseits von Eden" war gestern, Nino de Angelo ist jetzt "Gesegnet und Verflucht"

Vergangenes Jahr veröffentlichte Schlagerstar Nino de Angelo sein aktuelles Album mit dem Titel „Gesegnet und Verflucht“. Der Grundsound ist düster, die Texte zum Teil sehr ernst. Was ist passiert mit den sehnsüchtigen Klängen von „Jenseits von Eden“?

Ein Blick auf das Kleingedruckte gibt Aufschluss über die Kehrtwende: Ein bekannter Musiker aus der „Schwarzen Szene“ hat das Album produziert – und das hört man. Auch optisch nähert sich de Angelo dem Goth-Look an. Das Video zum Titelsong ist zum Großteil schwarz-weiß, der Sänger trägt schwarzen Kajal. „Ich bekomme auch unheimlich viel Feedback und finde es sehr schön, dass die Leute meine Musik auch reflektieren. Vielleicht ist das meine Berufung. Ich wollte nie „Tralala“ machen, ich wollte etwas Gutes tun“, sagt Nino de Angelo im RTL-Interview.

Nino de Angelo zurück mit neuer Musik Starke Töne, starke Botschaft
00:46 min
Starke Töne, starke Botschaft
Nino de Angelo zurück mit neuer Musik

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Er war der "Goldene Reiter" - heute ist Joachim Witt auf "Rübezahls Reise"

Doch nicht nur de Angelo hat irgendwann seine Liebe zu düsteren Klängen entdeckt. Auch Joachim Witt, Star der Neuen Deutschen Welle, ist mittlerweile eine feste Größe im Gothic-Business. Während die meisten den Sänger für Songs wie „Der Goldene Reiter“ oder „Tri Tra Trullala“ kennen, ist Witt mittlerweile bei etwas anderen Tönen angekommen.

Doch im Interview mit RTL stellt der Musiker klar: „WITT BLEIBT IMMER WITT“. Der Kontakt zur Szene sei damals durch Zufall zustande gekommen. „Es hat sich damals, 1998, durch die Veröffentlichung von ‘Bayreuth 1’ so ergeben. Plötzlich gab es Kontakte zum Zillo Festival (jetzt M’era Luna) et cetera.“, erzählt er.

Joachim Witt ist bekannt für seine tiefgründigen und zum Teil düsteren Texte.
Joachim Witt ist bekannt für seine tiefgründigen und zum Teil düsteren Texte.
Promo

Sein aktuelles Album „Rübezahls Reise“ reiht sich ein mit seinen Vorgängern „Rübezahl“ und „Rübezahls Rückkehr“. Finstere Zeilen wie „mein großes Haupt macht viele scheu, es geht die Angst herum, wenn ich mich nur mal freu’“ sind keine Seltenheit.

Und wie viel Gothic steckt nun in Joachim Witt? „Ich würde die Gothic-Szene als „Romantische Szene“ bezeichnen wollen und romantische Gefühle in Form von überbordender Emotionalität ist hauptsächlicher Bestandteil meiner Musik und macht auch einen Teil meiner Persönlichkeit aus.“ Die Szene sei für ihn interessant, weil sie „sehr herzlich, sehr emotional, sehr visuell, immer auch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens“ sei.

„Die direkte Auseinandersetzung mit dem Tod spielt auch eine Rolle. Sie hat also schon ein sehr in die Tiefe gehenden Hintergrund, was auch mit meinem Leben viel zu tun hat.“ Im Herbst geht der Künstler auf „Rübezahl zurück auf Reise“-Tour und nimmt seine Fans mit in seine tiefgründige Welt.

Alexander Wesselsky: Vom "Checker" zum goldprämierten Eisbrecher-Star

Alexander Wesselsky (vorne) sprach mit uns über das neue "Eisbrecher"-Album "Liebe macht Monster".
Alexander Wesselsky (vorne) ist Frontmann der Band "Eisbrecher".
Holger Fichtner / 360 Grad Design

Von 2006 bis 2010 stand Alexander Wesselsky als „Der Checker“ bei DMAX vor der Kamera. Dabei hat er für Teilnehmer die besten Autos zum niedrigsten Preis gefunden und gekauft. Heute ist er erfolgreicher Frontmann der Band Eisbrecher. Die feiert besonders in der „Schwarzen Szene“ große Erfolge, wurde schon mehrfach mit Gold prämiert. Auf dem diesjährigen Amphi-Festival stehen er und seine Band als Headliner – also als Highlight des Abends – auf der Hauptbühne des Tanzbrunnens.

Vielfalt auf dem Amphi Festival

Schlagersänger, Auto-Checker, Mittelalter-Fans, Cybergothics. Die „Schwarze Szene“ ist eine große Gemeinschaft, bestehend aus unterschiedlichen Charakteren mit vielen Interessen. Das repräsentieren nicht nur die drei erwähnten Promis, sondern auch die Fans, die am Wochenende beim Amphi Festival feiern. Alle miteinander, ohne Vorurteile.