Modellprojekt in Freiburg und Berlin

112-Notrufe: Anrufer können genau geortet werden - ohne Standort aktiviert zu haben!

112-Notrufe: Anrufer können genau geortet werden - ohne Standort aktiviert zu haben!
112-Notrufe: Anrufer können genau geortet werden - ohne Standort aktiviert zu haben!
© MG RTL D / Fandango

12. Oktober 2019 - 13:06 Uhr

Neuer Smartphone-Standortdienst soll Leben retten

Wer dringend Hilfe braucht und den Notruf wählt, scheitert häufig daran zu beschreiben, wo genau er gerade ist. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Verletzte stehen oft unter Schock. Manch ein Unfall ereignet sich auf einer abgelegenen Landstraße. Und in einigen Fällen kennen sich Geschädigte - oder auch Helfer - vor Ort einfach nicht aus. So vergeht wertvolle Zeit. Eine neue Technik könnte das bald ändern.

So funktioniert die "Advanced Mobile Location"

Nutzer eines Android-Smartphones in Deutschland, die den Notruf 112 anwählen, übertragen künftig akkuratere Standortinformationen, um Retter schneller zum Unglücksort zu leiten. In einer Kooperation der Mobilfunk-Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica sowie Google wird bei Notrufen aus dem Mobilfunknetz der genaue Unglücksort automatisch an die Rettungsleitstelle übermittelt - bis auf wenige Meter genau.

Anwender müssen dafür keine zusätzliche App installieren oder eine Funktion auf dem Smartphone aktivieren. Mit der Technik "Advanced Mobile Location" (AML) wird der Standortdienst in einem Smartphone automatisch aktiviert, wenn die Notrufnummer 112 angewählt wird. Damit kann der Standort an die zuständige Leitstelle übermittelt werden.

Erfolgreiche Modellprojekte

Der Dienst wird für alle Leitstellen in Deutschland von der Integrierten Leitstelle Freiburg - Breisgau Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr betrieben. Derzeit seien ein Drittel der rund 250 Leitstellen in Deutschland an das System angebunden und empfangen somit bereits die Standortdaten. Die übrigen Leitstellen würden in den kommenden Monaten folgen, erklärten die drei Mobilfunk-Netzbetreiber.

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Bei der Entwicklung des Konzeptes sei von Anfang an großen Wert auf eine datenschutzfreundliche Umsetzung gelegt worden, erklärten die Provider. Google hat seinen Android Emergency Location Service so entwickelt, dass die Standortdaten nur übermittelt werden können, wenn der Smartphone-Nutzer den Notruf 112 wählt.

In den Leitstellen würden die Daten nur kurzzeitig vorgehalten. "Eine Stunde nach dem Notruf werden die Standortdaten dort unwiederbringlich gelöscht und stehen dann nur noch in der zuständigen Leitstelle zur Verfügung". Eine Arbeitsgruppe der Datenschutzkonferenz, einem Gremium der Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder, habe das Konzept ausgiebig geprüft.