Zwischen Schmerz und PflichtTrauer um König Harald (†89) – warum die royale Familie vor Kameras trotzdem funktionieren muss

Die royale Etikette muss gewahrt werden – auch bei einem Trauerfall.
König Harald ist tot – und trotzdem erlebt Norwegen seinen Sohn Haakon und die königliche Familie in der Öffentlichkeit gefasst und pflichtbewusst. Heißt das, Royals dürfen ihre Trauer nicht zeigen? RTL-Adelsexperte Michael Begasse erklärt, warum diese Selbstbeherrschung eine lange Tradition hat.
König Haakon macht weiter – trotz des Todes seines Vaters
Ein geliebter Vater, Ehemann und Großvater ist gestorben. Trotzdem tritt Norwegens neuer König Haakon (53) in der Öffentlichkeit kontrolliert auf. Auch Haralds Witwe Königin Sonja (89) und die übrige Familie wirken bei ihren öffentlichen Auftritten gefasst. Für Menschen außerhalb eines Königshauses kann diese Selbstbeherrschung irritierend wirken.
Doch bedeutet das tatsächlich, dass Könige und Königinnen nicht öffentlich trauern dürfen? Nein. Ein solches Verbot gibt es nicht. Vielmehr treffen bei Royals privater Schmerz und die Pflichten ihrer öffentlichen Rolle aufeinander.
„Es gibt diesen alten Spruch: Noblesse oblige, Adel verpflichtet“, erklärt RTL-Adelsexperte Michael Begasse. Historisch sei es im Adel selbstverständlich gewesen, das eigene Innenleben nicht öffentlich zu zeigen. „Der Adel von damals hat niemals wahre Gefühle in der Öffentlichkeit gezeigt. Und das hat sich bis heute gehalten.“

Michael Begasse: „Da wird auch geweint“
Was vor den Kameras kontrolliert wirkt, sagt deshalb wenig darüber aus, was innerhalb der Familie passiert. „Natürlich wird getrauert in Norwegen, aber hinter verschlossenen Türen. Da wird auch geweint und da nimmt man sich in den Arm“, sagt Begasse.
Nach dem Tod eines Monarchen kommt eine besondere Situation hinzu. Die Familie verliert einen Angehörigen, während gleichzeitig ein Staatsoberhaupt ersetzt werden muss. Termine, Zeremonien und verfassungsrechtliche Abläufe beginnen unmittelbar. Für den neuen König gibt es kaum eine Pause zwischen persönlichem Verlust und Amtsübernahme.
Wie stark dieses Pflichtgefühl traditionell ausgeprägt ist, zeigte sich auch nach dem Tod von Queen Elizabeth II. (†96) im September 2022. Ihr Sohn Charles (77) sprach öffentlich von der „größten Traurigkeit“ für ihn und seine Familie und nahm gleichzeitig unmittelbar seine Aufgaben als neuer König wahr.
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Nach Dianas Tod wurde die Zurückhaltung der Queen zum Problem
Dass royale Selbstbeherrschung schnell als Kälte wahrgenommen werden kann, zeigte sich nach dem Tod von Prinzessin Diana 1997. Während vor den Palästen riesige Blumenmeere entstanden, blieb Queen Elizabeth II. zunächst mit ihrer Familie auf Schloss Balmoral. Dass die Monarchin tagelang kaum öffentlich auf die enorme Trauer reagierte, sorgte bei vielen Briten für Kritik.
Fünf Tage nach Dianas (†36) Tod wandte sich Elizabeth schließlich aus dem Buckingham Palace an die Nation. Ungewöhnlich persönlich sprach sie dabei nicht nur als Königin, sondern auch als Großmutter. Der Moment zeigte, wie schwierig die Balance sein kann: Das Königshaus soll Haltung bewahren, während die Menschen gleichzeitig sichtbare Anteilnahme erwarten.
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Hinter dem Titel steckt trotzdem ein trauernder Mensch
Für Begasse liegt genau darin der Unterschied zwischen dem Menschen und seinem Amt. Sobald die königliche Familie öffentlich auftrete, müsse sie funktionieren. Dann heiße es, wie er sagt, „business as usual“ und: „Wir müssen als Königsfamilie einfach unseren Job machen.“
Das heißt aber eben nicht, dass Haakon, Sonja und ihre Familie ihren Verlust weniger schmerzhaft erleben. Nur bekommen die Menschen in Norwegen davon längst nicht jeden Moment zu sehen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


