Beinahe-Drama vor wichtigem WettkampfZecken-Schock! Sprint-Queen Gina Lückenkemper spricht über Horror-Erlebnis

Fast wären die Tränen gekullert bei Gina Lückenkemper - aber nicht wegen des verpassten Deutschen Meistertitels über 100 Meter, sondern wegen der unschönen Vorgeschichte. Die Sprinterin hat eine echte Leidensgeschichte durchgemacht.
Mit belegter Stimme erzählte Gina Lückenkemper in den Katakomben des Wattenscheider Lohrheidestadions, was ihr vor einigen Wochen widerfahren war. Unmittelbar vor dem Diamond-League-Meeting in Paris am 28. Juni wunderte sich die deutsche Sprintkönigin der vergangenen Jahre über etwas Seltsames an ihrem Hinterkopf.
Dort hatte sich eine Zecke festgebissen, wie Lückenkemper den Tränen nah erzählte, nachdem sie als deutsche 100-Meter-Meisterin von Jolina Ernst entthront worden war. Nachdem sie schon eine Sommergrippe auskuriert hatte, musste Lückenkemper zwei Wochen lang mit dem Training aussetzen und ein Antibiotikum einnehmen. „Diese scheiß Zecke hat echt ein paar Mal das Nervensystem gebissen“, berichtete Lückekemper.
„Es war echt hart“, sagte die 29-Jährige, die sogar daran dachte, auf die Meisterschaften in ihrer westfälischen Heimat zu verzichten. „Vom Herz her nein, vom Kopf zwischendurch ja“, sagte die Doppel-Europameisterin von 2022. „Der Körper war viel zu sehr angegriffen. Das Nervensystem hat so einen Treffer davon genommen. Ich habe nachts acht Stunden geschlafen, aber ich war nicht richtig erholt danach.“
Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht behinderten sie beim Start, der ohnehin die Schwachstelle von Lückenkemper ist. So war sie letztlich „unfassbar froh, überhaupt drei Runden auf der Bahn zu stehen“ und am Ende im Finale in 11,29 Sekunden noch Dritte geworden zu sein. Lückenkemper war zuletzt viermal in Folge deutsche Meisterin geworden.
Das große Ziel ist nun die EM vom 10. bis 16. August in Birmingham. Dort braucht die deutsche Staffel Lückenkemper und auch Rebekka Haase, die zwar nur Vierte im Wattenscheider Lohrheidestadion wurde, aber an deutschen Medaillen bei EM, WM und Olympia in den vergangenen Jahren entscheidend beteiligt war. Ihr Trainer half Lückenkemper zuletzt in schweren Zeiten.
Auf einen Staffel-Einsatz beim Saisonhöhepunkt hofft auch Jolina Ernst, die bei ihrem Sieg zwar in 11,26 Sekunden persönliche Bestzeit lief, aber nicht für die Einzel-Konkurrenz qualifiziert ist. Auch für die 22-jährige Wattenscheider Lokalmatadorin liefen die vergangenen Wochen eigenen Worten zufolge nicht immer nach Wunsch. „Ich selber bin, glaube ich, am meisten überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hätte“, sagte sie daher nach ihrem Titel.
Verwendete Quellen: msc/dpa


