Fußball-”Schland” ist kaputtNach nächstem WM-Debakel: Jetzt muss ALLES neu

Schland im A***!
Um 1.18 Uhr war das Desaster perfekt. Deutschland ist raus bei der WM. Wie schon bei den beiden Weltmeisterschaften zuvor blamiert sich die DFB-Elf auf der Weltbühne. Noch nicht mal Elfmeterschießen kann sie mehr. Der runde Abschluss einer unrunden Geschichte. Ein Kommentar.
Viel wollen gewinnt keine Spiele
Was wurde Paraguay vor dem Spiel kleingeredet. Manch ein Experte sah in dem Sechzehntelfinal-Gegner gar eine drittklassige Mannschaft. Die Quittung gab es in dieser rabenschwarzen Nacht auf Dienstag. Im Elfmeterschießen, einst teutonische Königsdisziplin, scheitert das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann an den Südamerikanern. Im Elfmeterschießen. Bei einer WM. Das gab es noch nie! Sinnbild eines völlig verkorksten deutschen Fußball-Sommers in Amerika. Und wohl noch für viel mehr.
VIDEO: Hier liegt Fußball-Deutschland am Boden
Irgendwie war schon im Vorfeld des Turniers alles nicht wirklich rund. Das Kommunikations-Debakel um Deniz Undav, die verschwurbelte Torwartfrage, Nagelsmanns Kimmich-Positions-Fetisch. Mittendrin: Ein immer wieder auffallend dünnhäutiger Bundestrainer. Die Happy-Team-Bilder aus Winston-Salem mit Radtouren und Spielerfrauen: nur schwarz-rot-goldene Schimäre?
Lese-Tipp: Weiter mit Bundestrainer Nagelsmann? Was dafür und was dagegen spricht
Denn nach dem 7:1 zum Auftakt gegen Curacao gab es nun wirklich keinen Anlass mehr (gab es den vorher?), Deutschland zum erweiterten Favoritenkreis zu zählen. Der zähe 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste ließ mehr als nur durchschimmern, dass die deutsche Mannschaft keiner wirklichen Spielidee zu folgen scheint. Außer der, das Ding zu gewinnen. Immer die gleiche Leier, keine Variationen, kein Plan B. Die 1:2-Pleite gegen Ecuador schon glich einem Offenbarungseid.
Die eiligst betonten Statistiken, nach denen Deutschland doch mit Topwerten bestechen sollte, machten alles nur noch schlimmer. Fakt ist: Wann immer der Gegner eine Flanke in den Strafraum brachte, wurde es brandgefährlich. Und nicht nur, weil Kimmich als rechter Verteidiger einfach sowohl verschenkt als auch mehrmals schlichtweg überfordert war.
Und nach vorne? Ging nur kurz mal durch Superjoker Undav was. Wirtz, Musiala, Sané betrieben immer wieder enormen Aufwand. Heraus kam nichts. Immer ein Haken zu viel, immer warten, bis man erfolgreich umzingelt ist. Havertz sah man auch nur selten, trotz drei Turniertreffern. Alles stets bemüht. Konkurrenzfähig nicht.
Fakt ist nun mal: Viel rennen und Ballbesitz gewinnt kein Spiel. Viel wollen auch nicht.
Dass sich Kimmich, demütig und integer wie er ist, nach der Bostoner Blamage hinstellt und Nagelsmann in Schutz nimmt, ehrt ihn. Und natürlich ist da auch viel Wahrheit dran, wenn er sagt, das Team habe es verbockt. Natürlich: Die Mannschaft hat es einfach nicht auf den Platz gebracht. Aber warum hatte man immer den Eindruck, sie wisse gar nicht so richtig, was genau da eigentlich auf den Platz gebracht werden soll?
Video: Grabesstimmung bei der DFB-Rückkehr ins Team-Hotel
Es hätte eine gewisse Größe, wenn Nagelsmann jetzt ginge
Es drängt sich mehr denn je die Frage auf, ob Nagelsmann noch der richtige Bundestrainer ist. Wenn er es denn jemals war. Bei der EM 2024 scheiterte er im Viertelfinale, in der Nations League im Final Four. Der K.o. bei dieser WM in der Runde der letzten 32 muss eigentlich der Sargnagel auf die Bundestrainer-Karriere des 38-Jährigen sein. Zumindest wenn man den Regeln der Kündigungskunst folgen will. Vielleicht hat man sich mit ihm einfach verhoben. Und er sich selbst auch.
Zumindest für Manuel Neuer war die Peinlich-Pleite schon mal der allerletzte Auftritt im DFB-Dress. Er wird nicht der einzige sein, der sich aus dem Business verabschiedet. Es hätte eine gewisse Größe, wenn Nagelsmann nach mehr als 1.000 Tagen im Amt seinen Platz räumt, auch wenn er sich da selber nicht so ganz in der Verantwortung zu sehen scheint.
Dass jetzt die Rufe nach Jürgen Klopp als Heilsbringer immer lauter werden, liegt auf der Hand. Ungeachtet der Frage, ob er überhaupt will. Die kommenden Wochen werden es zeigen.
Lese-Tipp: Klopp als Nagelsmann-Ersatz? „Verstehe, dass mein Name genannt wird”
Denn was von diesen vier WM-Partien übrig bleibt, ist die bittere Erkenntnis: Der deutsche Fußball ist kaputt. Möglicherweise strukturell viel tiefer, als man wahrhaben will.
Umso irritierender ist, wie der Bundeskanzler das Desaster verklärt: „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch”, schreibt Friedrich Merz bei X. Er sieht halt das, was er sehen will.
Immerhin: Deutschland hat jetzt auch endlich seinen Signature-Move: Abreise. Wohin auch immer die Reise jetzt gehen wird ...























