Milan vereint in TrauerFußball-Welt trauert um Ikone Franco Baresi (†66)

Italiens Fußball trauert um Franco Baresi. Der ewige Kapitän der AC Mailand wurde 66 Jahre alt. Der letzte große Libero des Calcio stand für Treue, Loyalität und Charakterstärke.
Um 7.31 Uhr an diesem schwülen Freitagmorgen stand die Zeit still in Mailand. Die in Rot-Schwarz und Schwarz-Blau getrennte Fußballstadt erstarrte vereint in Trauer um Franco Baresi. Der letzte große Libero des Calcio, dessen großes Herz mit 66 Jahren anhielt, war ein Inbegriff an Treue, Loyalität und Charakterstärke. Und deshalb gab es niemanden, ob Milanisto oder Interista, den die Nachricht vom allzu zeitigen Tod der legendären Nummer 6 nicht rührte, als die AC Mailand jene in diesen frühen Stunden verkündete.
„Es ist schwer, den Verlust eines Herzschlags, eines Atemzugs unserer Seele, in Worte zu fassen“, schrieb Milan, der einzige Klub, für den Baresi, Italiens Antwort auf Kaiser Franz Beckenbauer, je gespielt hatte und den er an Europas Spitze führte: „Wir müssen Kraft finden und all unsere Stärke mobilisieren, selbst inmitten der Tränen und der tiefen Rührung dieses bewegenden Moments.“
Baresi wurde 1982 Weltmeister, führte die Squadra Azzurra als Libero und Nebenmann von Inter-Ikone Giuseppe Bergomi durch die Heim-WM 1990. Im reifen Kicker-Alter passte er sich dem taktischen Wandel an, wurde 1994 als Innenverteidiger und Kapitän noch einmal Vizeweltmeister. „Unser Fußball“, sagte Verbandspräsident Giovanni Malagò, „hat eine seiner Legenden verloren.“
In Zeiten, in denen Italiens Nationalteam beispiellos seinen Niedergang inszeniert, schmerzt der Verlust einer Instanz der Beständigkeit umso mehr. So war es in den Achtzigern, den Neunzigern: Alles konnte schlechter werden - solange es Menschen wie Baresi und deren jahrzehntelange Verlässlichkeit gab, war nicht alles verloren.
Franco und sein älterer Bruder Giuseppe waren im lombardischen Städtchen Travagliato schon als Teenager Vollwaisen geworden, schworen sich einander, es als Fußballprofis aus dem tristen Alltag zu schaffen. Beppe Baresi kam beim gemeinsamen Herzensklub Inter unter, wurde Stammkraft und Nationalspieler. Franco fiel durchs schwarz-blaue Raster. Der Scout, der ihn beobachtet hatte, so erzählte es Baresi, sei gestorben, bevor er habe berichterstatten können.
Bei Milan hatten sie Verwendung für den schmächtigen Jüngling, den sie „Piscinin“, Kleinen, nannten. Nils Liedholm, als Spieler wie Trainer ein Rossoneri-Denkmal, schmiss Baresi mit 18 Jahren ins Haifischbecken Serie A.
Mit 22 Jahren war er Kapitän und blieb es bis zum Karriereende 1997. Er wurde der Milanista des Jahrhunderts. Baresi erlebte harte Zeiten wie den Zwangsabstieg wegen der „Totonero 1980“-Affäre. Er war der Fixpunkt der Berlusconi-Ära als er mit Gullit, van Basten, Rijkaard und all den anderen Sahnekickern Europas Fußball revolutionierte, dabei den jungen Paolo Maldini, die andere Milan-Lichtgestalt, an die Hand nahm.
Bei sechs Meistertiteln und drei Triumphen in Landesmeister-Pokal beziehungsweise Champions League dirigierte Baresi nach dem faszinierenden Notenwerk Sacchis und Capellos unaufgeregt, erinnerte einerseits an Franz Beckenbauer, andererseits spielte er „wie Johan Cruyff als Verteidiger“ (Marco van Basten).
Nach der aktiven Karriere blieb Baresi im Hintergrund präsent. Im Februar trug der „Kleine“ von einst, der längst als einer der Allergrößten galt, bei der winterolympischen Eröffnungsfeier die Fackel durch sein San Siro. Schon von Krankheit gezeichnet, aber aufrecht. Es war ein Abschied.
Nun ist der Capitano gegangen - zu früh, aber dankbar. „Ich bewahre wunderschöne Erinnerungen in meinem Herzen“, hatte Baresi gesagt: „Nils Liedholm hat mich gefördert, Gianni Rivera war mein Kapitän, ich habe Maldinis Debüt miterlebt. Es war mir eine Ehre.“
Verwendete Quellen: tno/sid



