„Es gibt sehr, sehr schlimme Tage“Fußballprofi Eren Dinkci sorgt sich um krebskranke Freundin

Um einen passenden Stammzellenspender für Cinja zu finden und Menschen weltweit zur Registrierung bei der DKMS zu bewegen, machten der Fußballer und seine Partnerin die Diagnose im Frühjahr öffentlich
Um einen passenden Stammzellenspender für Cinja zu finden und Menschen weltweit zur Registrierung bei der DKMS zu bewegen, machten der Fußballer und seine Partnerin die Diagnose im Frühjahr öffentlich
DKMS

Das Desinfektionsmittel ist immer dabei, öffentliche Toiletten sind tabu. 
Für Fußballprofi Eren Dinkci (24) und seine Freundin Cinja (23) gehören solche Vorsichtsmaßnahmen zum Alltag. Im April machte das Paar öffentlich, dass Cinja an akuter lymphatischer Leukämie erkrankt ist. Wie weit die Sorge vor einer Ansteckung reicht, erzählt der Werder-Stürmer im Interview mit Bild. Weil er selbst gerade etwas kränkelt, schlafen die beiden in getrennten Betten.

Eren Dinkci will seine Freundin auf keinen Fall anstecken

Trotz aller Sorgen gibt es Augenblicke, in denen die Krankheit in den Hintergrund rückt. Während der Länderspielpause flog das Paar für ein paar Tage weg, bevor Cinja wieder ins Krankenhaus musste. „Es tut gut, mal in einer anderen Stadt spazieren zu gehen und alles zu vergessen. Das gelingt uns auch“, erzählt Dinkci.

Der Schicksalsschlag habe sie noch enger zusammengebracht. Wie wechselhaft diese Zeit ist, verschweigt er aber nicht. „Es gibt sehr, sehr schlimme Tage. Aber eben auch schöne.“ Unterwegs meiden die beiden Orte, an denen sie viele Keime befürchten. Dinkci nimmt die Vorsichtsmaßnahmen sehr ernst. „Wir müssen einfach gut aufpassen und ich bin da sehr streng mit ihr“, sagt er.

Auch Zuhause spielt Schutz vor Infektionen eine große Rolle: „Ich bin grad noch ein bisschen kränklich. Und natürlich schlafen wir deshalb getrennt in anderen Betten. Das muss sein“, erklärt der 24-Jährige. „Es wäre viel zu gefährlich, dass sie sich etwas einfängt.“

Cinja erhält eine Immuntherapie gegen ihre Leukämie

Auf die Frage nach ihrem Zustand antwortet Eren Dinkci im Bild-Interview zunächst mit „Recht gut“. Nach einem Krankenhausaufenthalt ist Cinja wieder zu Hause, ihr zweiter Behandlungszyklus hat begonnen. Sie erhält eine Immuntherapie. Noch dreieinhalb Wochen bekommt sie laut ihrem Partner ein Medikament, das rund um die Uhr verabreicht wird und Nebenwirkungen verursacht.

Immer wieder wird Cinja im Krankenhaus behandelt
Immer wieder wird Cinja im Krankenhaus behandelt
DKMS

Die Behandlung schlage jedoch gut an. „Wir hoffen, dass alles gut weitergeht“, sagt der Fußballer. Als weitere Schritte nennt er zusätzliche Termine, einen dritten Behandlungszyklus bis Ende März sowie Kontrollen. Beide hoffen, dass Cinja gesund wird und die Erkrankung nicht zurückkehrt.

Auch bei der Suche nach möglichen Stammzellenspendern gibt es nach seinen Angaben Fortschritte. Zwei Personen passen demnach zu 90 Prozent zu Cinja. Sie erhält ein Studienmedikament und braucht Dinkci zufolge aktuell keine Stammzellspende. Sollte die Behandlung in den nächsten Monaten nicht wie erhofft verlaufen, bestehe diese Möglichkeit weiterhin. Dass sich nach ihrem öffentlichen Aufruf viele Menschen registrieren ließen und gespendet hätten, freut den Fußballer besonders.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Für Cinja lässt Eren Dinkci auch den Fußball warten

Den schwierigen Alltag müssen die beiden nicht allein stemmen. Angehörige übernehmen etwa Fahrten ins Krankenhaus, weil Cinja vorerst nicht selbst Auto fahren darf. „Es ist Gold wert, Familie und Freunde zu haben, die uns so unterstützen“, betont der Stürmer in Bild.

Auch im Verein findet er nach eigenen Worten Verständnis. Um für seine Freundin da zu sein, setzte er mit dem Training aus und fehlte beim Testspiel in Enschede. Die Mannschaft nicht unterstützen zu können, beschäftigt ihn. Gleichzeitig sagt er klar: „Aber es gibt Wichtigeres als Fußball. Mir ist das erst spät bewusst geworden.“

Seinen Mitspielern hat er angeboten, ihn jederzeit auf die Situation anzusprechen. Wenn der Ball rollt, gelingt es ihm dagegen, die Sorgen auszublenden. Cinja bestärkt ihn darin, sich auch Zeit für sich selbst und für Freunde zu nehmen. Nicht jeder Moment soll sich um ihre Erkrankung drehen.

Cinja darf das Ziel ihrer großen Reise aussuchen

Für die nächste Sommerpause haben die beiden einen gemeinsamen Wunsch: Sie wollen einen großen Urlaub machen. Wohin die Reise geht, entscheidet Cinja. Dass weiter Kontrollen im Krankenhaus anstehen, behalten sie im Blick. „Vielleicht müssen wir dann hin und her fliegen, aber wir machen es auf jeden Fall“, sagt ihr Partner.

Eren Dinkci schöpft dabei vor allem aus Cinjas Stärke Zuversicht. „Mir macht viel Mut und Hoffnung, wenn man sieht, wie viel Kraft sie hat. Und das nach allem, was sie schon überstanden hat.“ (lha)

Verwendete Quellen: Bild, DKMS