Großer DPD-Test bei Team Wallraff44 Prozent Bruchquote! Ist Paket-Weitwurf in Depots schuld am Schaden?

Was für ein Scherbenhaufen!
50 Pakete mit Tassen, Gläsern und Weinflaschen werden vom Team Wallraff fünf Wochen lang mit dem Paketdienstleister DPD kreuz und quer durch Deutschland geschickt. In 22 davon – also 44 Prozent – entstehen Scherben. Warum geht so viel kaputt? Mehrere Undercover-Einsätze zeigen, wo der Umgang mit dem Eigentum der Kundinnen und Kunden offenbar stark zu wünschen übrig lässt.

So prüft Team Wallraff die Paket-Sicherheit beim DPD-Versand

Im Januar 2026 startet Team Wallraff das Experiment: Beraten von Verpackungsexperte Niels Wildner werden fünf leichte und fünf schwerere Pakete mit Gläsern, Tassen und Weinflaschen gefüllt – und zwar so, dass der zerbrechliche Inhalt unter normalen Umständen nicht beschädigt wird. Also mit reichlich Luftpolsterfolie und Packpapier in allen Hohlräumen, damit alles auf Abstand bleibt.

Was außerdem noch in den Paketen steckt: Spezielle Stoßindikatoren. „Wenn der Indikator rot ist, dann bedeutet das, dass dieses Packstück zu stark misshandelt wurde, zu stark geworfen wurde, zu stark gestoßen wurde“, erklärt Wildner. Zusätzlich enthalten alle Pakete noch GPS-Tracker, die ebenfalls auf Stürze und Stöße reagieren, inklusive exakten Positions- und Uhrzeitangaben.

Sechs RTL-Reporter in ganz Deutschland sollen die Pakete nach Erhalt auspacken, auf Schäden prüfen, Kaputtes ersetzen und das Ganze immer wieder untereinander weiter versenden – über fünf Wochen insgesamt 50-mal.

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Das Ergebnis: Was passiert in den Paket-Depots?

Fahrer in extremer Hektik, Pakete, die nicht ausgeliefert werden, obwohl das Zustellfahrzeug schon in der Straße ist und die ganze Zeit jemand zu Hause wartet, und versagende Apps – nicht die einzigen Probleme, auf die Team Wallraff beim Versand mit DPD stieß.

Bei „Team Wallraff“-Reporter Alex Römer in Berlin kamen zwar alle Pakete unbeschadet an. Das war aber eher die Ausnahme: Bei insgesamt 50 Sendungen registrierten die Sensoren 74 Stöße oder Stürze, in 22 der Pakete packen die Empfängerinnen und Empfänger Scherben aus. Das entspricht einer Schadensquote von 44 Prozent. Von insgesamt 550 verschickten Tassen und Gläsern blieben 64 auf der Strecke. Wenigstens blieben alle Weinflaschen unversehrt.

Zu 82 Prozent wurden die Stöße und Stürze im Test nicht unterwegs, sondern in den Depots aufgezeichnet. Dort vermutet der Experte deshalb auch die Entstehung der meisten Schäden in den Test-Paketen: „In den Depots treffen viele Pakete zusammen. Die müssen innerhalb von kürzester Zeit aus den Autos raus entladen werden, geroutet werden, in die Autos wieder neu beladen werden. Das ist das größte Risiko, was auf diesen Transportstrecken passiert. Also immer da, wo manuell eingegriffen wird, ist das ein typisches Ergebnis.“ Aber woran liegt’s genau?

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„Manchmal kommen die Pakete von irgendwo angeflogen“

Laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollte ein Paket bei DPD so verpackt sein, dass es Stürze aus ca. 80 Zentimetern aushalten kann. Was die Undercover-Einsätze in diversen Depots zeigen, lässt allerdings teils daran zweifeln, dass sich die Fallhöhe stets auf diese Distanz beschränkt – und das nicht nur in Stoßzeiten wie etwa kurz vor Weihnachten.

„Wir haben das ja ständig erlebt, dass irgendwie Pakete rumgeschmissen worden sind“, erklärt Reporter Alex Römer bei der Auswertung der Ergebnisse. Bei seinem Undercover-Einsatz bei einem DPD-Subunternehmen spricht er einen Kollegen darauf an, dass anscheinend niemand wirklich sorgsam mit den Paketen umgeht. „Manchmal kommen die Pakete von irgendwo angeflogen“, antwortet dieser. „Aber das Ding ist, manche sind auch schwer. Man kann nicht auf alles Rücksicht nehmen. Es ist zu anstrengend. Es geht auch auf den Rücken.“

Günter Wallraff erinnert sich, dass das auch bei seinem eigenen Undercover-Einsatz bei einem Paketdienst vor 14 Jahren schon nicht anders war: „Ich hab‘s selbst erlebt. Das ist ja nicht aus Jux und Dollerei. Wenn man Hunderte Pakete am Tag schleppt, da gibt‘s manchmal ein schweres Paket, das kann einem auch hinfallen, oder aus Zeitersparnis wirft man das auch mal jemandem hin oder aufs Band. Das liegt in der Natur der Sache. Das kann man nicht dem einzelnen Fahrer jetzt zuschreiben.“

DPD äußert sich zu diesen Recherche-Ergebnissen nicht im Detail und schreibt: „Die Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden ist die Basis unseres Geschäftsmodells. Hinweisen auf mögliche Qualitätsmängel gehen wir deshalb selbstverständlich nach.“

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„Team Wallraff – Reporter undercover“ auf RTL+

Die ganze Reportage von „Team Wallraff – Reporter undercover“ läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr bei RTL und ab 18.45 Uhr auf RTL+.