Ekel, Ausbeutung, ArbeitsdruckTeam Wallraff undercover bei DPD! Pakete auf Kosten der Menschlichkeit?
Wie sicher sind Pakete und Mitarbeiter bei DPD-Subunternehmen?
Enormer Arbeitsdruck, unbezahlte Überstunden, Angebote von Schwarzgeld und miserable Zustände in Unterkünften: Auf all das stießen die Reporterinnen und Reporter von Team Wallraff bei ihren monatelangen verdeckten Recherchen im Zusammenhang mit einem der größten Paketdienste Deutschlands. Außerdem erhielten sie brisante Dokumente zur Arbeitssicherheit in teils baufälligen Depots.
Undercover-Reporter erhalten Schwarzgeld-Angebote
Seit Jahren steht die Paketbranche wegen ihrer Arbeitsbedingungen in der Kritik. Schon bei früheren Undercover-Einsätzen als Paketzusteller erlebte Günter Wallraff, wie sehr die Arbeit die Fahrer zermürbt. Hat sich etwas geändert? Das Team Wallraff erhielt zahlreiche Hinweise, die das Gegenteil nahelegen – besonders oft zu DPD.
DPD lässt Pakete vor allem über Beschäftigte von Subunternehmern zustellen. Dass dieses System dazu beiträgt, Fahrer an ihre Grenzen zu bringen und deren Ausbeutung zu begünstigen, erleben die Reporter bei ihren Undercover-Einsätzen. Reporter Alexander findet in Berlin per Anzeige einen Job bei einem Subunternehmer, der bis zu 3.000 Euro netto für eine 40-Stunden-Woche verspricht. Vor Ort erzählt ihm ein Kollege dann von seinem Minijob-Vertrag mit zusätzlicher Barzahlung – und auch Alexander wird dieses Modell vom Chef des Subunternehmens angeboten. Auch in Essen schildert ein Kollege Reporter Vladyslav die Möglichkeit, hier einen Teil des Lohns bar zu erhalten.
Die „Nachunternehmerhaftung“ soll seit 2019 Paketdienste dafür mitverantwortlich machen, dass Sozialabgaben von beauftragten Subunternehmern korrekt gezahlt werden. Wie wenig das Paketboten in der Praxis schützt, zeigen die Recherchen von Team Wallraff.
Im Presse-Statement teilt DPD zwar mit, man verstehe die kritische Diskussion um die Beschäftigung von Subunternehmern, doch das sei Markstandard und nötig, um Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Und weiter: „Wir haben verbindliche […] Standards festgelegt, die […] ausdrücklich auch für Geschäftspartner und Subunternehmer gelten.“

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DPD-Fahrer sollen Schäden angeblich selbst zahlen müssen
Zudem berichtet ein Fahrer Reporter Alexander von pauschaler Tagesbezahlung, unabhängig von der Arbeitszeit. Bei ihren Einsätzen sind beide Reporter zehn bis zwölf Stunden am Tag unterwegs, teils ohne Pausen. Immer wieder hören die Reporter zudem, dass Kosten für Schäden an Autos, zum Beispiel ein Rücklicht für 800 Euro, und verlorene Pakete von den Subunternehmen an die Fahrer weitergeleitet würden.
DPD beantwortet 67 Fragen und eine Interviewanfrage nur mit einem kurzen, allgemein gehaltenen Statement und teilt mit: „Sämtliche vertraglichen Partnerunternehmen von DPD müssen sich zur Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben, insbesondere zu Mindestlohn, zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit und zu fairen Arbeitsbedingungen verpflichten. Hierbei verwenden wir vorab ein verpflichtendes Qualifizierungsverfahren.“
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Ekel-Unterkunft für Wuchermiete
Viele Subunternehmer werben Mitarbeiter gezielt in Osteuropa an – oft mit dem Versprechen von Job und Unterkunft. Auch dazu erhielt das Team Hinweise auf Missstände, die sich bei einem Undercover-Einsatz von Reporter Vladyslav in München bestätigen. Für circa 400 Euro im Monat bekommt er einen Platz in einem 16 Quadratmeter großen Dreibettzimmer mit zwei Fremden. Die Unterkunft hat nur eine dürftige Küche, eine Toilette ohne Schloss, Schimmel in der Dusche, jede Menge Ungeziefer und mit Klebeband befestigte Laken statt Vorhängen.
Darüber hinaus spielt eine Informantin dem Team umfangreiche Dokumente zu, die auf deutliche Sicherheitslücken in DPD-Depots hindeuten. Darunter beispielsweise eine Karte aus dem Jahr 2024, die 89 Standorte zeigt. Wie sich aus der Dokumentation ergibt, stellten Prüfer damals offenbar bei etwa drei Vierteln der darauf abgebildeten Anlagen teils erhebliche Sicherheitsmängel und damit Unfallrisiken fest. Sicherheitsrisiken bemerkt auch Reporter Vlad bei seinem Probetag als Bewerber für einen Be- und Entladejob in einem dieser Lager in Erftstadt: An manchen Maschinen fehlten dort teilweise oder sogar komplett Schutzschienen. Laut Informantin soll die DPD-Spitze Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen kennen, aber einen sehr harten Sparkurs fahren.
DPD teilt dazu mit: „Unsere Anlagen werden regelmäßig kontrolliert, u.a. im Rahmen von UVV-Sicherheitsüberprüfungen, regelmäßigen Arbeitsschutz-Terminen und -begehungen, sowie Prüfungen der Berufsgenossenschaft oder der staatlichen Aufsichtsbehörden.“



