Tschernobyl-Katastrophe vor 40 JahrenStrahlenbelastung in ihrer Heimat! Kinder erholen sich in Niedersachsen

Kyra und Kristina (links) sind zwei von mehreren Kindern aus Belarus
Kyra und Kristina (links) sind zwei von mehreren Kindern aus Belarus.
RTL Nord
von Maxim Kupermann, Suana Boeck und Sina Schlink

Als es vor 40 Jahren zu dem Atomunfall von Tschernobyl kommt, sind sie noch nicht geboren – trotzdem hat er Auswirkungen auf sie!
Kyra und Kristina sind nur zwei von zehn Kindern aus dem Dorf Zvonets in Belarus, die bis vor kurzem Urlaub im niedersächsischen Bad Eilsen gemacht haben. Denn: Durch die Nähe zum heute in der Ukraine liegenden Tschernobyl ist auch in ihrer Heimat noch Reststrahlung zu finden.

Tschernobyl-Hilfe gibt es in Niedersachsen seit Jahrzehnten

Schon seit den 1990er Jahren leben Kinder aus dem betroffenen Gebiet einige Wochen in Gastfamilien in Niedersachsen. Das Ziel des spendenfinanzierten Hilfsprojekts mit dem Namen „Den Kindern aus Tschernobyl”: Erholung! Alltag ohne Strahlenbelastung.

Die beiden Mädchen leben drei Wochen lang bei Ingmar Everding und seiner Familie. Als Kind hat er selbst sein Zimmer für Kinder aus der Partnerstadt der Kirchengemeinde geräumt, heute führt er die Tradition fort. „Als ich dann auch selber Familie hatte, habe ich gesagt, ich habe das für mich selber als eine ganz reiche Zeit erlebt, als Kind einfach mal über den Horizont zu gucken. Einfach zu sagen, es gibt auch Kinder, denen geht es ganz anders, als wir hier aufwachsen. Die sind gar nicht so weit weg. Das ist knapp 1000 Kilometer entfernt.”

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In Hannover wird außerdem geforscht

Auch, wenn Kyra und Kristina die Katastrophe von Tschernobyl selbst nicht miterlebt haben – den Hintergrund ihres Deutschland-Besuchs kennen sie ganz genau: „Wir haben einige Wälder, wo Warnschilder stehen und, wenn wir in den benachbarten Wald fahren wollen, steht da ein Schild mit einem Atomzeichen. Da geht fast keiner hin”, erzählt Kyra im Gespräch mit RTL. „Uns wurde auch oft erzählt, dass viele Menschen damals evakuiert werden mussten, die da geblieben sind, weil es nicht genügend Busse gab.”

Auch an anderer Stelle beschäftigt sich Niedersachsen 40 Jahre später noch mit der Nuklearkatastrophe. Am Institut für Radioökologie und Strahlenschutz in Hannover forschen Wissenschaftler unter anderem an Möglichkeiten, die radioaktiv verseuchten Böden wieder nutzbar zu machen.

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Körperliche Auswirkungen der Reststrahlungen spüren die belarussischen Kinder nicht. Trotzdem gehören für sie zum Teil auch Arztbesuche zu ihrem Deutschland-Aufenthalt. Denn in dem belarussischen Dorf, aus dem sie kommen, gibt es beispielsweise keinen Zahnarzt. Die meiste Zeit verbringen sie allerdings beim Spielen und weiteren Aktivitäten mit den freiwilligen Helfern oder machen Ausflüge.

Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern stehen verschiedene Aktivitäten auf dem Programm. Wie hier eine Klangschalenmeditation.
Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern stehen verschiedene Aktivitäten auf dem Programm. Wie hier eine Klangschalenmeditation.
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Das Projekt funktioniert dank ehrenamtlicher Helfer

Kristina zu RTL: „Mir hat am meisten gefallen, als wir ins Schwimmbad gefahren sind.” Schwimmen gehen die Helfer mit den Kindern jeden Tag, erzählt Erzieherin Bianca Meyer-Heimstädt. Sie unterstützt die Tschernobylhilfe schon seit 20 Jahren ehrenamtlich. „Das ist eigentlich schon der Luxus. Also man muss gar nicht das große Entertainment auffahren. Die sind mit einfachen Sachen so zufrieden.” Und genau darum geht’s: Eine unbeschwerte Zeit zu haben.