Zwischen Fußball, Erdoğan und WirtschaftWüst verleiht Medaille an Gündoğan – NRW-Ministerpräsident beendet dreitägige Türkei-Reise

von Vanessa Nikić, Stefan Efferth und Tobias Janßen

Fußball, Politik und Wirtschaft: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat seine dreitägige Türkei-Reise am Mittwoch (30.09.) beendet. Neben Gesprächen mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Vertretern der Opposition standen auch die Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei im Mittelpunkt.

Wüst ehrt Gündoğan in Istanbul

Am Dienstagabend (29.09.) überreichte Wüst dem früheren DFB-Kapitän İlkay Gündoğan die Mevlüde-Genç-Medaille des Landes NRW. Gündoğan wird damit für seinen Einsatz gegen Rassismus und Ausgrenzung sowie für gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgezeichnet. Der gebürtige Gelsenkirchener war 2023 und 2024 der erste Kapitän der deutschen Nationalmannschaft mit Migrationsgeschichte. Die Medaille erinnert an Mevlüde Genç, die beim rassistischen Brandanschlag von Solingen 1993 fünf Familienmitglieder verlor und sich anschließend für Versöhnung und ein friedliches Miteinander einsetzte.

Treffen mit Erdoğan und türkischer Opposition

Politisch führte Wüst Gespräche mit unterschiedlichen Seiten. In Ankara wurde er überraschend von Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfangen und traf mehrere türkische Minister. Gleichzeitig sprach der NRW-Ministerpräsident auch mit Vertretern der Opposition und der Zivilgesellschaft. Zum Abschluss erklärte Wüst, er habe deren Anliegen auch in seinen offiziellen Gesprächen angesprochen. Insbesondere die Inhaftierung des früheren Istanbuler Bürgermeisters und Erdoğan-Rivalen Ekrem İmamoğlu hat international für Kritik gesorgt.

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Visaerleichterungen und neue Wirtschaftsvereinbarungen

Auch wirtschaftlich brachte die Reise konkrete Vereinbarungen. Ein bestehendes Sonderverfahren für Visa türkischer Geschäftsleute mit besonderem Deutschlandbezug soll auf weitere Unternehmen ausgeweitet werden. Zudem wollen der Flughafen Köln/Bonn und der Istanbuler Flughafen Sabiha Gökçen künftig enger zusammenarbeiten, während der Duisburger Hafen seine Verbindungen mit türkischen Logistikunternehmen stärken will. Rund 1.300 türkische Unternehmen sind in Nordrhein-Westfalen ansässig. Anlass der Reise war auch der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.