250.000 Euro für das TopmodellWindecker baut Rennsimulatoren
Was als Wintertraining für einen motorsportbegeisterten Familienvater begann, ist heute ein weltweites Geschäft: Thorsten Lingnau aus Windeck im Rhein-Sieg-Kreis baut Rennsimulatoren, die von privaten Gamer-Enthusiasten ebenso genutzt werden wie von Profirennfahrern, der Bundeswehr und dem Bundeskriminalamt.
Winterpause als Ursprung einer Geschäftsidee
Schnelle Autos haben es dem 54-Jährigen schon seit seiner Jugend angetan. Über viele Jahre fuhr er selbst Rennen – bis ihn die Motorsport-Saisonpause im Winter immer wieder ausbremste. Um weiterhin trainieren zu können, setzte er sich zunächst mit einfachem Lenkrad und simplem Sitz vor den Computer. Aber kein Gerät auf dem Markt entsprach seinen Ansprüchen. Für ihn besonders wichtig war das physische Fahrgefühl, dass sein „Popometer“ genau das spürt, was auf der Rennstrecke tatsächlich passiert. Also begann er zu tüfteln – mit Hydraulikelementen, um ein möglichst realistisches Fahrerlebnis zu erzeugen.
Mehr als 100.000 Euro in den ersten Prototypen
Die Entwicklung seiner ersten Prototypen kostete Lingnau schnell mehr als 100.000 Euro. Damit war klar: Das Projekt musste professionell aufgezogen werden. Im Jahr 2014 gründete er deshalb das Unternehmen Actoracer. Mehr als zehn Jahre später gibt es weltweit fast 50 Standorte, an denen die Simulatoren gefahren werden. Gebaut werden die Geräte nach wie vor in Windeck im Rhein-Sieg-Kreis, gemeinsam mit seinen Geschwistern. Das günstigste Modell für den Endverbraucher beginnt bei 5.000 Euro, das teuerste – ein Formel-1-Simulator – kostet 250.000 Euro.
Wenn das Dach für den Simulator geöffnet werden muss
Nicht nur Profi-Rennteams greifen auf die Simulatoren zurück. Auch Privatpersonen investieren in eine heimische Rennstrecke – manchmal mit beeindruckendem Aufwand. Lingnau erinnert sich an einen besonders spektakulären Einbau: Bei einem Kunden musste eigens das Dach des Hauses geöffnet werden, damit der Simulator per Kran in den Dachstuhl gehoben werden konnte. Das sei der „krasseste Aufbau“ gewesen, den sein Team bislang erlebt habe. Neben Privatkundschaft und Motorsportprofis zählen inzwischen aber auch Fahrschulen, die Bundeswehr, die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt und Personenschutz-Einheiten zu den Abnehmern.
Software passt sich jedem Einsatzzweck an
Der entscheidende Vorteil der Simulatoren ist ihre Flexibilität: Die Software lässt sich individuell auf den jeweiligen Einsatzzweck einstellen – vom sportlichen Rennerlebnis auf bekannten Strecken der Welt bis hin zu behördenspezifischen Fahrtrainings unter realistischen Bedingungen. Ziel ist immer, digital so nah wie möglich an der Realität zu sein. RTL WEST-Reporterin Annalena Kirsten testete das selbst und beschreibt es so: Eine Runde im „Soft Formel 1”-Modus – und ihr wurde warm, ihr Puls kletterte auf 95, die Smartwatch trackte das Ganze als reguläres Training. Fazit: riesiger Spaß, aber auch echte Anstrengung.

































