NRW will bis 2030 aus der Kohleförderung aussteigenWie weiter nach der Braunkohle? So soll sich das Rheinische Revier verändern
Fast 1.000 bewilligte Projekte und gut 3,4 Milliarden Euro Fördermittel: Bei der Revierkonferenz in Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) hat das Rheinische Revier Bilanz gezogen. Durch den geplanten Kohleausstieg muss sich eine ganze Region neu erfinden. Neue Unternehmen und Technologien sollen Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig wollen die Menschen vor Ort bei der Gestaltung ihrer Heimat mitreden.
Fast 1.000 Projekte für die Zukunft des Reviers
Mit dem Ende der Braunkohleverstromung steht das Rheinische Revier vor einem gewaltigen Strukturwandel. 2023 wurde dafür der Reviervertrag 2.0 unterzeichnet. Der Plan sieht vor, dass NRW schon 2030 und damit acht Jahre früher als ursprünglich vorgesehen aus der Braunkohleverstromung aussteigt. Für Nathanael Liminski (CDU), NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, sind die Veränderungen längst sichtbar. Der Strukturwandel sei „nicht bloß Zukunftsmusik“, sondern eine Zukunft, der man bereits beim Wachsen zuschauen könne. Für die Region geht es dabei vor allem um neue Arbeitsplätze. Durch den Kohleausstieg fallen Tausende Jobs und damit ein wichtiger Teil der bisherigen Wertschöpfung weg. Frank Rock (CDU), Landrat des Rhein-Erft-Kreises, sieht allerdings schon erste neue Perspektiven und verweist auf Industrieunternehmen, die in die Region kommen.
Von der Kohle zur KI
Zu den großen Plänen gehören drei Rechenzentren, die der US-Softwarekonzern Microsoft in Bergheim, Bedburg und Elsdorf plant. Sie sollen unter anderem für Künstliche Intelligenz (KI) genutzt werden. Mitte März war der offizielle Spatenstich. Auch das Unternehmen Synhelion setzt auf das Rheinische Revier. In Jülich gibt es eine Anlage, die aus Sonnenlicht und Biogas Rohöl herstellt. Dieses kann unter anderem zu Kerosin für Flugzeuge weiterverarbeitet werden.
Bürgerrat fordert Schulen und mehr Wohnraum
Doch nicht nur Politik und Wirtschaft sollen über die Zukunft der Region entscheiden. Auch die Menschen vor Ort sollen ihre Ideen einbringen. Dafür wurden 100 Menschen aus dem Rheinischen Revier zufällig für einen Bürgerrat ausgewählt. Bei der Revierkonferenz übergaben sie NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) ihre Handlungsempfehlungen. Dazu gehören unter anderem der Bau neuer und die Sanierung bestehender Schulen sowie mehr sozialer und allgemeiner Wohnungsbau. Neubaur will sich mit dem Bürgerrat treffen und über die Vorschläge sprechen. Ihr Ziel sei eine Politik, die im Alltag der Menschen Vertrauen in den Staat und die politischen Institutionen schaffe.
Kohleausstieg 2030 ist noch nicht endgültig sicher
Ob die Braunkohleverstromung in NRW tatsächlich 2030 endet, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt. Die Bundesregierung lässt derzeit prüfen, ob der vorgezogene Ausstieg wie geplant umgesetzt werden kann. Ein entsprechender Bericht hätte Mitte August vorliegen sollen. Er verzögert sich aber um mindestens ein halbes Jahr. Hintergrund ist die Planung neuer Gaskraftwerke. Sie sollen die Stromversorgung sichern, wenn nicht ausreichend Strom aus Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht. Ohne eine ausreichende Energieversorgung ist der frühere Kohleausstieg nicht gesichert.

































