Ein ganz normaler Job?Wie Menschen in NRW in der Sexarbeit arbeiten
Sexarbeit hat viele Gesichter. Manche Menschen entscheiden sich bewusst dafür, andere geraten durch Abhängigkeiten oder finanzielle Not in die Prostitution. Zwischen Selbstbestimmung, Vorurteilen und Schutzbedürfnis ist die Lebensrealität der Menschen im Rotlichtmilieu unterschiedlich.
Prostitution als Selbstbestimmung
Wenn MadamKALI in ihre roten Stiefel schlüpft, beginnt ihr Arbeitstag. Die Bielefelderin arbeitet seit fast zehn Jahren hauptberuflich im Rotlichtmilieu. Angefangen hat alles mit einem ersten Besuch in einem Laufhaus – und dem Gefühl, in kurzer Zeit viel Geld verdienen zu können. Inzwischen bietet sie unterschiedliche sexuelle Dienstleistungen an. Sie arbeitet unter anderem im Bereich Tantra und begleitet auch Menschen mit schweren Behinderungen bei intimen Bedürfnissen. Die diplomierte Erziehungswissenschaftlerin sieht Sexarbeit als normalen Beruf. Als Sprecherin des Berufsverbands erotischer und sexueller Dienstleistungen setzt sie sich für bessere Arbeitsbedingungen und mehr gesellschaftliche Akzeptanz ein.
Zwischen Freiheit und Gefahr – Loverboys und Abhängigkeit
Doch Prostitution hat viele Seiten. Gerade junge Frauen geraten immer wieder in gefährliche Abhängigkeiten – etwa durch sogenannte Loverboys. Die Männer spielen zunächst die große Liebe vor und drängen die Betroffenen später aber in die Prostitution. Auch Gewalt, Drogen und kriminelle Strukturen gehören für manche zum Alltag im Rotlichtmilieu. Für Betroffene wird es oft schwierig, sich aus solchen Situationen wieder zu befreien. Hilfsorganisationen fordern deshalb mehr Schutzangebote.
Bordelle zwischen Kontrolle und Schutz
In legal betriebenen Bordellen gelten klare Vorgaben. Kontrolliert werden unter anderem Alter, Anmeldung und Hygienestandards. Grundlage dafür ist das Prostituiertenschutzgesetz, das seit 2017 gilt. Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter müssen sich offiziell registrieren lassen. In Nordrhein-Westfalen sind laut Landesstatistik aktuell rund 8.400 Menschen offiziell angemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Politisch wird immer wieder über ein sogenanntes Sexkaufverbot nach dem nordischen Modell diskutiert. Dabei würden nicht die Sexarbeiter bestraft, sondern die Kunden. Kritiker befürchten allerdings, dass Prostitution dadurch stärker in die Illegalität verdrängt werden könnte.
Deutschlands erster geschützter Straßenstrich ist in Köln
Wie unterschiedlich die Bedingungen in der Sexarbeit sind, zeigt auch die Situation auf dem Straßenstrich. In Köln entstand bereits 2001 Deutschlands erster geschützter Straßenstrich. Dort gibt es Aufenthaltsräume, Sozialberatung und ein Alarmsystem für Notfälle. Ziel ist es, mehr Sicherheit für die Menschen zu schaffen, die dort arbeiten. Sozialverbände sehen in solchen Angeboten einen wichtigen Schutz vor Gewalt und Ausbeutung.

































