Nach über 50 Jahren soll sie rausKatharina Bolte droht der Verlust ihres Zuhauses – Sohn prüft weitere juristische Schritte

von Niklas Bönsch

Mehr als ein halbes Jahrhundert lebt die 91‑jährige Katharina Bolte in ihrer Wohnung in Köln. Am Donnerstag (20.08.) hat das Landgericht Köln entschieden: Die Kündigung ihres Mietvertrags ist rechtmäßig, der Investor darf die sanierungsbedürftige Immobilie abreißen und neu bauen.

Neues Haus, neue Pläne – und eine Räumungsklage

Vor vier Jahren wechselte das Haus den Besitzer, ein Immobilienunternehmen plant seitdem einen Neubau mit rund 700 Quadratmetern zusätzlicher Wohnfläche. Alle bisherigen Mieter erhielten Kündigungen und verließen nach und nach ihre Wohnungen, nur die Rentnerin blieb. Für sie ist die Wohnung seit Jahrzehnten Heimat. Schon vor zwei Wochen sagte sie im Interview, sie sei traurig und wolle nicht weg von dort. Die Firma bot der 91‑Jährigen nach eigenen Angaben neben einer „großzügigen finanziellen Abfindung“ auch mehrere Ersatzwohnungen an. Bei einer Wohnung kam es fast zur Einigung, doch dann soll ihr Sohn für sich ein lebenslanges Wohnrecht mitgefordert haben. Daraufhin platzte der Deal. Der Vermieter reagierte mit einer Räumungsklage, scheiterte zunächst aber vor dem Amtsgericht Köln.

Landgericht kippt Urteil des Amtsgerichts

In zweiter Instanz kam nun die Wende: Die Richter am Landgericht Köln entschieden, dass die Kündigung wirksam sei. Ein Investor dürfe eine sanierungsbedürftige Immobilie abreißen und neu bauen, so die Begründung. Laut Gerichtssprecherin könnte das Urteil möglicherweise bereits rechtskräftig sein, wegen der komplizierten Rechtsmittellage ließ sich dies jedoch noch nicht abschließend sagen. Sohn Elimar Bolte, der gemeinsam mit Unterstützern vor Gericht demonstrierte, hatte sich schon vor der Entscheidung wenig Hoffnungen gemacht. dDie Richter seien bereits zu Beginn des Gütetermins „recht negativ“ in die Sache gegangen, sagt er. Nach der Urteilsverkündung überbrachte er seiner Mutter die Nachricht. Katharina Bolte reagierte verzweifelt und klagte, in ihrem Alter sei das „doch keine Gerechtigkeit“. Elimar Bolte prüft nun, ob weitere juristische Schritte möglich sind. Das Immobilienunternehmen wollte sich auf Anfrage von RTL WEST nicht zum Urteil äußern.