Welt-Trinkgeld-TagWeniger Trinkgeld in NRW - Digitale Vorschläge setzen Gäste unter Druck

von Anne Tafferner

Ob Restaurant, Café oder Kneipe: Viele Servicekräfte in Nordrhein-Westfalen haben das Gefühl, dass beim Trinkgeld inzwischen häufiger gespart wird. Besonders bei Kartenzahlung würden viele Gäste einfach auf „Weiter“ drücken, ohne etwas extra zu geben. Dabei soll der heutige Welt-Trinkgeld-Tag eigentlich dazu motivieren, guten Service wertzuschätzen.

Kein Trinkgeld trotz gutem Service

Hendrikus Balje arbeitet im Kölner Restaurant „Em Krützche“ und läuft nach eigenen Angaben bis zu 20.000 Schritte pro Schicht. Mit Humor und guter Laune versucht der 52-Jährige, seinen Gästen ein schönes Erlebnis zu bieten. Trotzdem bleibt das Trinkgeld manchmal komplett aus. Besonders frustrierend sei es, wenn Essen, Service und Stimmung gelobt würden – am Ende aber kein Cent zusätzlich auf dem Tisch landet.

Digitaler Obolus auf dem Kartenlesegerät

Immer häufiger begegnen Gäste beim Bezahlen festen Trinkgeld-Vorschlägen. Auf vielen Geräten erscheinen direkt Optionen wie 5, 10, 15 oder 20 Prozent. Zwar können Kunden auch auswählen, dass sie nichts geben wollen. Aber genau diese Vorauswahl sorgt für Diskussionen. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom empfindet ein großer Teil der Befragten solche Vorgaben als unangenehm.

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Experten sprechen von „Nudging“

Digitalexpertin Alina Bone-Winkel erklärt, dass voreingestellte Beträge das Verhalten der Kunden beeinflussen können. Der Fachbegriff dafür lautet „Nudging“ – also ein sanftes Lenken von Entscheidungen. Viele Menschen hätten das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, wenn sie kein Trinkgeld geben möchten. Besonders kritisch sehen einige Verbraucher, dass inzwischen auch bei Selbstbedienung oder kurzen To-go-Bestellungen zusätzliche Zahlungen erwartet werden.

Servicekräfte hoffen auf mehr Wertschätzung

Restaurantchefin Sylvia Fehn-Madaus aus Köln beobachtet, dass vor allem ältere Gäste oder größere Gesellschaften häufig großzügiger seien. Wer dagegen nur kurz etwas trinken gehe, lasse oft wenig oder gar kein Trinkgeld da. Für die Kellner bleibt die zusätzliche Anerkennung trotzdem wichtig. Denn Trinkgeld sei nicht nur Geld, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die eigene Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird.