CDU-Politikerin muss im Ausschuss aussagenVorwürfe gegen Ina Scharrenbach – Machtmissbrauch und Mobbing im NRW-Bauministerium?

von Antonia Schütter und Vanessa Brodka

Schwere Vorwürfe gegen NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). Angst, Druck, Gebrüll: Der Führungsstil der Ministerin soll ihre Mitarbeiter krank gemacht haben. RTL WEST liegt ein internes Schreiben vor. Jetzt muss sich die Politikerin im Bauausschuss des Landtags in Düsseldorf vielen Fragen stellen.

Mitarbeiter rechnet in Mail mit Ministerin ab

Das geräuschlose Regieren ist vorbei. Am Freitag (27.03) ging es für NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) in den Ausschuss in Düsseldorf. Die Vorwürfe einiger Mitarbeiter: Machtmissbrauch und Mobbing. RTL WEST liegt eine E-Mail vor. Darin schreibt der Präsident des Landesbetriebs IT.NRW an den Staatssekretär von Scharrenbach. Die CDU-Politikerin soll gegenüber Vertretern eines Unternehmens gesagt haben: Sie wolle ihn scheitern sehen. Durch ihre Führung habe Oliver Heidinger gesundheitliche Probleme. Er äußert sich bislang nicht gegenüber RTL WEST dazu.

Das sagt Ina Scharrenbach (CDU) im Ausschuss zu den Anschuldigungen

Erst Ende 2025 ist der Abteilungsleiter für Digitalisierung in NRW zurückgetreten. Laut Medienberichten, weil er ausgebremst wurde. Ein Interview gibt Ina Scharrenbach (CDU) nicht auf RTL WEST Anfrage. In der Sitzung am Freitag (27.03) bestritt sie die Anschuldigungen des Präsidenten. Sie sagte aber auch, dass sie manchmal „zu direkt“ sei und, dass sie „daran arbeite“. 2025 machte Scharrenbach ihre Krebsdiagnose öffentlich und bekam viel Anerkennung. Jetzt kommen die Vorwürfe einiger Mitarbeiter an die Presse. Kurz danach räumt die 49-Jährige Fehler ein.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Ministerium fachlich überfordert?

Politikwissenschaftler Norbert Kersting sieht auch noch andere Baustellen im Bauministerium. Zum Beispiel hätte Scharrenbach früher gegen Schrottimmobilien vorgehen können. Auch in Sachen Digitalisierung ist NRW nicht gerade Spitzenreiter, so Kersting.

Was wusste Wüst wann?

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) soll schon Anfang 2025 von den Anschuldigungen gewusst haben, so Christian Dahm von der SPD. Auch der Chef der NRW-Staatskanzlei Nathanael Liminski (CDU) wusste angeblich Bescheid. Beide geben kein Interview dazu. Die NRW-SPD und NRW-FDP fordern jetzt Aufklärung.

Scharrenbach den Tränen nahe

Zu dem Ausschuss gab es auch einen Stream. So konnten Bürger das Ganze mitverfolgen. Das gab es beim Parlamentarischen Untersuchungsausschuss rund um die ehemalige NRW-Fluchtministerin Josefine Paul (Grüne) nicht. Die Politikerin ist Anfang 2026 zurückgetreten. Der Druck nach dem Terroranschlag in Solingen wurde zu groß. Droht bald der nächste Abgang? RTL WEST Reporterin Antonia Schütter war vor Ort in Düsseldorf. Sie erlebte Scharrenbach ungewohnt emotional während der Sitzung. Sie habe langsam gesprochen und viele Pausen zwischen ihren Sätzen gemacht. Ihre Stimme wirkte brüchig, als kämpfe sie mit den Tränen.