Angeklagter war mit gefälschten Papieren im Rettungsdienst tätigTod wegen Fake-Sanitäter? Prozessauftakt gegen 30-Jährigen am Landgericht Kleve

von Valerio Magno und Niklas Bönsch

Oguzhan Y. bewarb sich mit gefälschten Unterlagen als Notfallsanitäter – obwohl er die Ausbildung nie abgeschlossen hatte. Seit Donnerstag (16.07.) muss sich der 30-Jährige vor dem Landgericht Kleve verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, für den Tod eines Patienten verantwortlich zu sein.

Falsches Medikament, kein Notarzt gerufen

Im August vergangenen Jahres behandelte der Angeklagte in Kamp-Lintfort (Kreis Wesel) den herzkranken Asim Karabeg. Der litt an mehreren Herz- und Lungenerkrankungen. Laut Anklage verabreichte Oguzhan Y. dem Patienten ein falsches Medikament. Außerdem soll er verhindert haben, dass ein Notarzt hinzugezogen wurde. Die Folge: Karabeg erlitt Schnappatmung und starb später im Krankenhaus. Neben gefährlicher Körperverletzung und Urkundenfälschung wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten auch Totschlag vor. Nach ihrer Auffassung nahm der gelernte Berufskraftfahrer den Tod des Patienten billigend in Kauf. Sein Verteidiger Rainer Pohlen widerspricht: Sein Mandant habe helfen wollen, keine Zeit verlieren wollen und zu keinem Zeitpunkt damit gerechnet, dass der Patient durch sein Handeln sterben könnte.

Nicht der erste gefährliche Einsatz

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Fall aus Kamp-Lintfort nicht der einzige, bei dem die fehlende Qualifikation des Angeklagten schwere Folgen gehabt haben soll. Wenige Monate vorher soll er bei einem Einsatz in Wermelskirchen (Rheinisch-Bergischer Kreis) einem Patienten mit Lungenödem eine falsche Infusion gelegt haben. Mögliche Folgen seien Kreislaufversagen und Ersticken gewesen. Nur das beherzte Eingreifen einer Kollegin habe damals Schlimmeres verhindert. Für Aida Besic, die Enkelin des Verstorbenen, war der erste Prozesstag alles andere als leicht. Sie reiste aus Freiburg an und beschreibt ihre Gefühle mit „viel Wut“ und „viel Unverständnis“. Sie fragt sich, ob ihr Großvater heute noch leben würde, wenn ihn damals ein ausgebildeter Notfallsanitäter behandelt hätte. Eine Frage, die auch das Gericht klären muss. Oguzhan Y. zeigte während der Verlesung der Anklage und der Erklärung seines Verteidigers laut einem RTL WEST Reporter keinerlei äußerlich erkennbare Regung. Wird er wegen Totschlags verurteilt, muss er mit bis zu fünfzehn Jahre Haft rechnen. Das Urteil soll im September fallen.