54.000 Unterschriften für mehr Sicherheit auf den StraßenSeniorin überfährt vierfachen Papa - Familie fordert Fahrtauglichkeitsprüfung bei älteren Menschen
Schlechteres Sehen, langsamere Reaktionen, weniger Konzentration: Mit zunehmendem Alter können Fähigkeiten nachlassen, die für das Autofahren wichtig sind. Nach dem tragischen Unfalltod eines Familienvaters aus Bad Oeynhausen (Kreis Minden-Lübbecke), verursacht durch eine 86-jährige Lenkerin, fordert die Familie des Toten nun eine verpflichtende Überprüfung der Fahreignung älterer Autofahrer.
Ein Tag, der alles verändert
Anfang Juli standen Stella und ihre Familie noch gemeinsam vor dem Kurhaus in Bad Oeynhausen. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Papa Wilfried noch da. Sie feierten gemeinsam Stellas Abitur. Drei Tage später wurde der 59-Jährige von einem Auto erfasst.
Seniorin verliert Kontrolle über das Auto
Eigentlich wollte der vierfache Familienvater nur kurz seine Familie vom Bahnhof abholen. Wilfried war gerade auf dem Rückweg vom Parkscheinautomat. Als eine 86-jährige Fahrerin rückwärts ausgeparkt und die Kontrolle über ihren Wagen verloren hat. Sie erfasste den Vater ihn schwer. Frau und Tochter kamen nur wenige Minuten später mit dem Zug an. Auch Sohn Ferris war zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter vom Unfallort entfernt: „Den Anruf werde ich nie vergessen: ‚Ferres, Papa bewegt sich nicht.‘, ‚Was?‘, ‚Papa bewegt sich nicht?‘, ‚Was redest du?‘ Dann bin ich da hin gerast. Ich habe dieses Fahrrad da hingeschmissen. Dann haben wir dagestanden, als der Helikopter gelandet ist.” Wilfrieds Zustand war kritisch. Wenige Tage später starb er.
Petition für mehr Sicherheit auf den Straßen
Wegen dieses Schicksalsschlags hat die Familie auf der Online-Plattform „change.org“ eine Petition gestartet. Sie fordert die Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter. Ab welchem, sollen die Behörden entscheiden. „So ein Mechanismus hätte den Tod meines Vaters verhindern können. Für ihn ist es zu spät. Aber ich wünsche mir, dass es für andere nicht zu spät ist“, so Sohn Ferris Fechner. Mehr als 54.000 Menschen haben die Petition unterschrieben. Auch im Bundestag wurde sie eingereicht.
Der ADAC setzt bei dem Thema aber auf Eigenverantwortung. „Die Fahrtauglichkeit eines jeden Autofahrenden ist aus unserer Sicht nicht vom Alter abhängig, sondern es kommt auf den allgemeinen gesundheitlichen Zustand an, auf die Fahrroutine. Wie viel Erfahrung habe ich auf der Straße? Und dahingehend geht es darum, das selbstkritisch zu bewerten und dann eben Maßnahmen einzuleiten, wie zum Beispiel einen Fitnesscheck zu besuchen“, so Laura Scherer vom ADAC Nordrhein. Ältere Menschen sind 2024 seltener an Autounfällen mit Verletzten beteiligt als jüngere Menschen. Waren aber Menschen ab 65 Jahren beteiligt, wurden sie in mehr als zwei Drittel der Fälle für die Unfälle verantwortlich gemacht. So das Statistische Bundesamt.
Hintergründe noch offen
Warum die Seniorin in Bad Oeynhausen die Kontrolle über ihren Wagen verloren hat, ist bisher nicht bekannt. Die Ermittlungen laufen. Laut der Staatsanwaltschaft Bielefeld macht die Beschuldigte von ihrem Recht Gebrauch, zu schweigen.

































