Ermittlungen in der JVA EuskirchenRazzia im Knast – Justizbeamte sollen Hafterleichterungen verkauft haben
Hafterleichterungen gegen Geld, Hinweise auf Kontrollen und unerlaubte Vorteile für Gefangene: In der JVA Euskirchen stehen mehrere Justizbeamte unter Korruptionsverdacht. Am Mittwoch (06.05.) hat es deshalb mehrere Razzien gegeben.
Acht Justizbeamte im Visier der Ermittler
Nach Angaben der Polizei Bonn sollen acht Justizbeamte Häftlingen gegen Bezahlung Vorteile verschafft haben. Dabei geht es unter anderem um Hafturlaub und Informationen über bevorstehende Kontrollen in den Hafträumen des offenen Vollzugs. Neben der JVA Euskirchen wurden auch mehrere Wohnungen in der Region durchsucht. Dabei stellten die Ermittler unter anderem Handys und weitere Beweismittel sicher. Die Beschuldigten wurden befragt.
Auch ehemalige Häftlinge Teil des Systems
Die Ermittlungen richten sich außerdem gegen drei ehemalige Gefangene. Sie sollen die mutmaßlichen Deals mit den Justizbeamten von außen gesteuert haben. Unter ihnen soll sich auch ein Mitglied einer polizeibekannten Großfamilie aus Leverkusen befinden. Die Familie ist den Ermittlungsbehörden seit Jahren bekannt. Immer wieder ging es in der Vergangenheit um Vorwürfe wie Betrug und Gewalt. Aktuell läuft vor dem Kölner Landgericht zudem ein Prozess wegen Enkeltrickbetrugs.
Minister will lückenlose Aufklärung
NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) betonte, man dulde im Justizdienst keine „schwarzen Schafe“. Wer die Integrität des Vollzugs durch Korruption und Bestechung gefährde, habe im Justizdienst des Landes Nordrhein-Westfalen nichts zu suchen, sagte der Landespolitiker. Limbach kündigte an, die Vorwürfe vollständig und mit aller Konsequenz aufzuklären.
JVA Euskirchen schon öfter in der Kritik
Es ist nicht das erste Mal, dass die JVA Euskirchen für Schlagzeilen sorgt. 2018 verlor ein Justizbeamter einen USB-Stick mit persönlichen Daten von Kollegen. Ein Häftling fand ihn und verbreitete die sensiblen Informationen unter den Insassen. Ende 2020 wurde bekannt, dass mehrere Häftlinge im Gefängnis Drogenpartys mit Besuchern gefeiert und nachts Tankstellen ausgeraubt haben. Eine Bonner Richterin bezeichnete die JVA Euskirchen im anschließenden Prozess als „Ganovenparadies“. Vor zwei Jahren kehrte außerdem ein Häftling nach einem mehrtägigen Freigang nicht zurück. Damals geriet Justizminister Limbach in die Kritik, weil der Justizausschuss erst aus den Medien von dem Vorfall erfahren hatte.
Kriminalbeamte warnen vor Einfluss organisierter Kriminalität
Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht in dem Fall ein grundsätzliches Problem. Der Einfluss organisierter Kriminalität in Justizvollzugsanstalten sei kein Einzelfall. Andere Länder wie Frankreich gingen bereits dazu über, Täter aus dem Bereich der organisierten Kriminalität gesondert unterzubringen. Auch in Nordrhein-Westfalen müsse über solche Modelle nachgedacht werden, so Huth.

































