Streit um Wohnung in Köln-Bickendorf landet vor Gericht100-Jährige soll aus ihrer Wohnung raus – ihre Familie kämpft gegen Kündigung
Seit fast sechs Jahrzehnten lebt Lilly Rostock in ihrer Wohnung in Köln-Bickendorf. Jetzt soll die 100-Jährige ausziehen – ihr Zuhause soll einem Neubau weichen. Für ihre Familie ein Schock. Sie ist überzeugt: Ein Umzug könnte für die demente Seniorin dramatische Folgen haben.
Zuhause seit 57 Jahren
Die Wohnung in Köln-Bickendorf ist für Lilly Rostock mehr als nur ein Ort zum Leben. Dort hat sie ihre Kinder großgezogen, dort kennt sie jeden Winkel, dort fühlt sie sich sicher. Seit 57 Jahren lebt die Seniorin in denselben vier Wänden. Für Menschen mit Demenz ist diese Vertrautheit besonders wichtig. „Es geht um das Umfeld“, sagt Tochter Brigitte Rostock. „Wenn das plötzlich weg ist, verliert man die Orientierung – alles ist durcheinander.“
Familie sieht Umzug als Risiko
Die Sorge der Familie ist groß. Sie befürchtet, dass ein Umzug die 100-Jährige komplett aus der Bahn werfen könnte. „Das wäre unmenschlich“, sagt Sohn Karl-Heinz Rostock. „Meine Mutter lebt seit Jahrzehnten hier – und jetzt soll sie einfach raus?“ Für ihn ist die Kündigung ein harter Einschnitt – und kaum nachvollziehbar.
Neubau statt Altbestand
Hintergrund des Streits: Das Haus mit neun Parteien soll abgerissen werden. Die Immobiliengesellschaft plant an der Stelle einen Neubau mit 26 modernen, energieeffizienten und barrierefreien Wohnungen. Als Kompromiss bietet das Unternehmen der Familie eine Ersatzwohnung in der Nähe an. Doch das reicht den Angehörigen nicht.
Gericht muss entscheiden
Vor Gericht treffen nun zwei Interessen aufeinander: das Bedürfnis der Familie nach Stabilität für die Seniorin – und die wirtschaftlichen sowie städtebaulichen Pläne der Eigentümer. „Wir verstehen die Situation“, sagt Jochen Blöse, Anwalt der Immobiliengesellschaft. „Aber wir müssen auch andere Interessen berücksichtigen – etwa die Wohnraumsituation in Köln.“ Immerhin zeigt sich das Unternehmen bereit, die Räumungsfrist zu verlängern. Doch auch das lehnt die Familie ab.
Entscheidung steht noch aus
Für Lilly Rostock bleibt die Situation ungewiss. Ihre Familie hofft auf eine Lösung, die ihr den Verbleib in der vertrauten Umgebung ermöglicht. Das Gericht will am 10. Juni eine Entscheidung verkünden.

































