Großeinsatz in 29 StädtenRazzia gegen Rockerkriminalität: NRW-Innenministerium verbietet Hells-Angels-Charter
In Nordrhein-Westfalen hat es am frühen Dienstagmorgen (28.04.) eine der größten Razzien gegen die Rockergruppe Hells Angels gegeben. Rund 1.200 Polizisten waren zeitgleich im Einsatz, das NRW-Innenministerium verbot im Zuge der Aktion den „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“.
Polizei schlägt um 4 Uhr morgens zu
In Hilden (Kreis Mettmann) sollte offenbar ein neues Hells-Angels-Vereinsheim entstehen. Ein Lokal, das seit einigen Wochen von Mitgliedern der Rockergruppe renoviert worden sein soll, war am Dienstag (28.04.) Ziel eines Zugriffs der Polizei. Gegen vier Uhr morgens standen die Einsatzkräfte vor der Tür – der Zugriff riss auch Nachbar Robert Runkel aus dem Schlaf. Er berichtet von einem lauten Knall und Rufen der Polizei, seit einigen Tagen habe er die mutmaßlichen Club-Leute nicht mehr gesehen. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums handelte es sich um einen der größten Einsätze gegen Rockerkriminalität in der Geschichte des Landes. Insgesamt waren rund 1.200 Kräfte und Spezialeinheiten im Einsatz. Durchsucht wurden mehr als 50 Privat- und Gewerbeobjekte in 29 Städten in Nordrhein-Westfalen.
Verbot des Charters Leverkusen
Über allem steht das Verbot des Vereins „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“. Das NRW-Innenministerium hat das Charter offiziell verboten und aufgelöst. Hintergrund ist der Verdacht der Bildung beziehungsweise Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) machte deutlich, welche Folgen das Verbot hat. Mit der Verfügung werden alle weiteren Aktivitäten untersagt, auch Ersatzorganisationen sind verboten. Zudem dürfen die bekannten Kennzeichen des Vereins weder gezeigt noch genutzt werden. Im Zuge der Razzia stellten Ermittler Motorräder, Waffen und weitere Beweismittel sicher. Außerdem wurden nach bisherigen Angaben Vermögenswerte in Höhe von bis zu 2,5 Millionen Euro beschlagnahmt, die zugunsten des Landes eingezogen werden sollen.
44 Beschuldigte, Präsident festgenommen
Insgesamt wird im Zusammenhang mit dem Verbot und den Durchsuchungen gegen 44 Beschuldigte ermittelt. Festgenommen wurde am Dienstag (28.04.) der 46-jährige Präsident des Charters Leverkusen. Gegen ihn lag ein Haftbefehl vor. Der Anwalt des Präsidenten, Wolf-Michael Bonn, kritisiert die Maßnahmen. Die großangelegte Aktion gegen das Charter und gegen die Hells Angels werde seiner Ansicht nach „deutlich heißer gekocht, als die Sache sich tatsächlich in Wirklichkeit ergibt“.
Größter Rocker-Club in NRW
Schüsse, Explosionen, Mord-Anschläge – immer wieder taucht das Rockermilieu in NRW in Zusammenhang mit schweren Straftaten auf. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums sind die Hells Angels derzeit der größte Rocker-Club in Nordrhein-Westfalen. Demnach gibt es 29 Ortsgruppen mit knapp 470 Mitgliedern. Der Club sei in den vergangenen Jahren gewachsen, auch durch Überläufer der verfeindeten und inzwischen verbotenen Bandidos. Reul betont, die Rocker aus dem Hells-Angels-Umfeld fielen nicht durch harmlose Motorradromantik auf, sondern durch Gewalt, Drogenhandel, Waffenbesitz und Einschüchterung. Das reiche von der Türsteherszene bis zu Revierkämpfen in Städten. Rockerkriminalität schaffe Angsträume und versuche, das Gewaltmonopol des Staates zu untergraben – das wolle der Staat nicht hinnehmen. Mit dem Verbot ist für das Charter Leverkusen zwar Schluss. Für Polizei und Justiz in Nordrhein-Westfalen ist die Großrazzia aber wohl nur ein weiteres Kapitel im langen Kampf gegen die organisierte Rockerkriminalität.

































