Region macht weiter Werbung für die SpieleOlympia in NRW? KölnRheinRuhr wartet auf das Votum der Bürger

von Patricia Brinkmann

Für viele Athleten ist Olympia der Höhepunkt der Karriere. 22 Sportler aus Nordrhein-Westfalen haben dieses Ziel in diesem Februar in Italien erreicht und wurden nun in Düsseldorf geehrt. Parallel läuft in NRW eine Debatte, die weit über Medaillen hinausgeht: Die Region Rhein-Ruhr will sich um Olympische und Paralympische Spiele bewerben und lässt die Bürger mitentscheiden.

Silber und Gold im Eiskanal

Eine der in Düsseldorf geehrten Athletinnen war Bobpilotin Laura Nolte. In Cortina d’Ampezzo sicherte sie sich Silber und Gold. Sie beschrieb den Moment im Ziel als Mischung aus „purer Erleichterung“ und Freude. Schon während der entscheidenden Fahrt habe sie ab Kurve vier gespürt, dass die Dinge zusammenpassen. Ab da sei es nur noch darum gegangen, konzentriert zu bleiben - mit Erfolg! Für sie und die anderen NRW-Sportler ist die Ehrung in Düsseldorf ein symbolischer Schlusspunkt hinter außergewöhnliche Wochen.

Bürgerentscheid kann Olympia-Traum kippen

Alle vier Jahre werden die Olympischen Spiele vergeben. Im Rennen für eine mögliche deutsche Bewerbung stehen derzeit die Jahre 2036, 2040 und 2044. Für das Konzept „KölnRheinRuhr“ läuft aktuell ein Bürgerentscheid in 17 Kommunen. Am Sonntag (19.04.) endet die Abstimmung. Die Hürde ist hoch: Fällt das Votum auch nur in einer beteiligten Kommune negativ aus, ist der Standort raus. Besonders im Fokus stehen die „Big Player“ wie Köln, Düsseldorf, Dortmund oder Gelsenkirchen. Scheitert eine dieser Städte an der nötigen Zustimmung, wackelt die gesamte Bewerbung. Ingo Wolf, FDP-Politiker und Vorsitzender der Sportstiftung NRW, verweist auf eine intensive Informationskampagne mit vielen prominenten Botschaftern und zeigt sich grundsätzlich optimistisch. Am Ende müsse sich das Konzept aber erst national und dann international durchsetzen. Wunsch sei es, dass die Spiele nach Deutschland und idealerweise nach Nordrhein-Westfalen kämen.

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Chancen und Belastungen für die Region

Ein Olympia-Zuschlag würde die Region grundlegend verändern, zumindest temporär. Neben den erwarteten Milliardenkosten für Organisation und Infrastruktur würden die Spiele wohl auch Einschränkungen im Alltag mit sich bringen: volle Innenstädte, zusätzlicher Verkehr, Sicherheitszonen und Sperrungen. Befürworter verweisen auf internationale Aufmerksamkeit, Ausbau von Verkehr und Sportstätten und eine mögliche Aufwertung der gesamten Region. Kritiker fürchten, dass gerade Menschen mit wenig Geld und ohnehin schon knapper Wohnsituation zusätzlich belastet werden, während viele Effekte nur kurzfristig seien.

Im Video: Interview mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)

Köln als „Leading City“ – Karneval und Olympia Hand in Hand?

Im Bewerbungsmodell Rhein-Ruhr spielt Köln eine Schlüsselrolle als sogenannte „Leading City“. Dort soll unter anderem das Olympische Dorf entstehen. Unterstützung bekommt die Domstadt aus dem Karneval: Der Traditionskorps „Rote Funken“ stellt sich demonstrativ hinter Köln und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). In einem Video im Netz zeigen die Karnevalisten, was es bedeutet, groß zu träumen. Burmester war früher Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes. Er zeigt sich überzeugt, dass die Region die Herausforderung stemmen kann und verweist darauf, dass Nordrhein-Westfalen an jedem Fußballwochenende quasi „Mini-Weltmeisterschaften“ organisiere, mit Bundesligisten und Zweitligisten im ganzen Land. Das Beispiel Paris habe gezeigt, dass große Sportereignisse mit guter Organisation, offenen Städten und starker Atmosphäre funktionieren könnten. Ähnliches erhofft er sich für Köln und das Rhein-Ruhr-Gebiet.

Nachhaltigkeit als Schlüssel – „Schwimmen auf Schalke“

Otto Fricke vom Deutschen Olympischen Sportbund legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit in der Bewerbung. Statt teurer Neubauten, die nach den Spielen leerstehen, setzt das Konzept auf bestehende Arenen, die temporär umgebaut werden können. Als Beispiel nennt er „Schwimmen auf Schalke“: In die Veltins-Arena in Gelsenkirchen könnte für kurze Zeit ein Schwimmbecken eingebaut werden, in dem 40.000 oder mehr Zuschauer Schwimmwettkämpfe erleben. Dimensionen, die es in dieser Sportart sonst kaum gibt. Nach den Spielen würde das Stadion wieder regulär genutzt. Solche Lösungen sollen verhindern, dass teure „Olympia-Ruinen“ entstehen, und sind zentraler Baustein der Planungen.

Konkurrenz aus München, Berlin und Hamburg

KölnRheinRuhr ist nicht der einzige Bewerber aus Deutschland. Auch München, Berlin und Hamburg haben Interesse signalisiert, Olympische und Paralympische Spiele auszurichten. Im Herbst will der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, mit welcher Stadt oder Region Deutschland offiziell ins Rennen um das sportliche Großereignis geht.