Leiterin eines Frauenhauses berichtetNRW-FDP will gegen finanzielle Gewalt vorgehen

von Vanessa Brodka

Fast alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex getötet. Häusliche Gewalt auch gegen Männer ist ein ernstes Problem. Dabei spielt auch finanzielle Gewalt eine Rolle. Betroffene dürfen kein eigenes Geld verdienen. Auf das Thema will die NRW-FDP aufmerksam machen.

So rutschen Frauen in eine Gewaltspirale

Sie werden abgeschottet, haben kein eigenes Geld und oft endet es in körperlicher Gewalt. Schutz finden Betroffene in Frauenhäusern. Sibel Basikoglu leitet eins in NRW. Die Adresse ist geheim. Die Sozialarbeiterin weiß: Sich zu trennen scheint für viele unmöglich, denn sie haben kein eigenes Einkommen. Arbeit wird ihnen verboten. Manche Partner machen Schulden auf den Namen der Frau - das trifft auch Männer. Betroffene werden so abhängig, manipuliert und zu Verträgen gezwungen, erklärt die Leiterin. Viele Bewohnerinnen in dem Frauenhaus haben das auch erlebt. Sogenannte finanzielle Gewalt ist verbreitet, aber nicht sichtbar. Gerade Frauen aus anderen Kulturkreisen kennen ihre Rechte nicht, erklärt Werner Pfeil von der NRW-FDP. Auch für sie will er Aufklärungsarbeit leisten. Dafür sollen Banken mit ins Boot. Außerdem sollen Studien landesweit Fälle erfassen mit Hilfe von Juristen. Sie haben oft mit Betroffenen zu tun, so Pfeil. Er ist selbst Fachanwalt für Mietrecht. Einen Antrag dazu haben die Liberalen in Düsseldorf eingebracht. Frühestens im März wird darüber abgestimmt. Für die NRW-FDP tut die Landesregierung nicht genug. Die zuständige Ministerin Verena Schäffer (Grüne) teilt schriftlich mit: „Mit dem Landesaktionsplan ‚NRW gemeinsam gegen Gewalt‘ trägt mein Haus wesentlich dazu bei, dass alle Professionen, die mit gewaltbetroffenen Frauen in Kontakt kommen, für die Thematik sensibilisiert werden und sich miteinander vernetzen.”

So wird Betroffenen geholfen

Warnsignale sind: Partner erlauben der Frau nicht zu kaufen, was sie möchte, oder wollen nicht, dass sie ein eigenes Konto hat. Alles, was Betroffene isoliert und abhängig macht, da sollten sie hellhörig werden, erklärt Sibel Basikoglu. Jede betroffene Frau kann sich an die 116016 wenden. Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar. Auch für Männer (0800 1239900) und Kinder („Nummer gegen Kummer“: 116 111) gibt es ein Hilfetelefon.