Vom Krankenpfleger zum CroupierNeue Spielbank Siegburg: So werden in NRW gerade Spielleiter ausgebildet
Black Jack, Poker, Roulette: Für viele macht der Nervenkitzel den besonderen Reiz eines Casinos aus. Während die Gäste auf den großen Gewinn hoffen, müssen Croupiers am Tisch einen kühlen Kopf bewahren. Im Rhein-Sieg-Kreis werden aktuell Spielleiter für die neue Spielbank in Siegburg ausgebildet. Unter ihnen sind auch zahlreiche Quereinsteiger wie Kai Recht aus Köln.
Vom Übungsleiter an den Spieltisch
Der 28-Jährige will seine berufliche Zukunft im Casino finden. Er hat früher als Übungsleiter gearbeitet und beschreibt den Einstieg in die Ausbildung als „tricky“, gerade am Anfang. Doch je öfter er sich „reinfuchst“ und je mehr er übt, desto leichter werde es. Dabei helfen ihm und den anderen Teilnehmern erfahrene Ausbilder. Einer von ihnen ist Alexander Mosch. Auf dem Lehrplan steht heute Roulette – der Klassiker im Casino. Die Spieler setzen auf Farben, Zahlen oder beides. Am Ende entscheidet die Kugel im Kessel. Nach der vierten Umdrehung folgt die sogenannte Spielabsage: „Nichts geht mehr“ oder ganz traditionell „Rien ne va plus“.
Bezahlte Ausbildung für Quereinsteiger
Für die mehrwöchige, bezahlte Ausbildung konnten sich alle Interessierten ab 18 Jahren bewerben. Unter den Teilnehmern sind zahlreiche Quereinsteiger: Krankenpfleger, Metzger, Schreiner und andere. Ein Mathe-Ass muss niemand sein. Ganz ohne Grundkenntnisse wird es zwar schwierig, doch laut Mosch reichen eine schnelle Auffassungsgabe und solides Kopfrechnen als Grundlage aus. In extra angemieteten Räumen werden derzeit rund 60 Männer und Frauen für die neue Spielbank Siegburg geschult. Das Casino ist nur wenige Minuten entfernt und noch eine Baustelle. Der Innenausbau läuft, erste Automaten stehen bereits, die Theken folgen. Mehr als 35 Millionen Euro wurden in den Neubau investiert. Eröffnet werden soll noch im Herbst. Siegburg wird dann Standort der sechsten staatlichen Spielbank in Nordrhein-Westfalen.
Stolz auf erste Einsätze mit echtem Geld
Spielbankdirektor Sebastian Kühn hat einige der Auszubildenden bereits bei einem Einsatz an einem anderen Standort erlebt. Er spricht von großem Stolz und davon, wie die neuen Kollegen langsam „das Laufen lernen“. Schon nach wenigen Monaten arbeiten sie mit echten Gästen und echtem Geld. Das steigere seine Vorfreude auf die Eröffnung in Siegburg zusätzlich. Betreiber der Spielbanken ist die Merkur Group aus Espelkamp, vielen noch als Gauselmann Gruppe bekannt. Das Unternehmen entwickelt Automaten und Spiele, betreibt weltweit Casinos und beschäftigt rund 15.000 Mitarbeitende. Glücksspiel steht allerdings auch immer wieder in der Kritik, weil es süchtig machen kann. Merkur setzt deshalb unter anderem auf Ausweiskontrollen, eine bundesweite Sperrdatei und speziell geschulte Spielerschützer. Sie sollen problematisches Spielverhalten erkennen und entsprechend reagieren.
Unterhaltung, Events – und ein sicherer Lohn
Kühn betont, dass die Spielbank mehr als klassische Spieltische und Automatensäle bieten soll. Auch Events, Veranstaltungen und Unterhaltung gehören zum Konzept. Jeder Gast könne selbst bestimmen, wie viel ihn der Besuch koste – oder ob er am Ende sogar mit einem Gewinn nach Hause gehe. Sicher Geld mitnehmen werden jedenfalls Kai Recht und seine Kollegen. Sie starten mit Mindestlohn und können durch zusätzliche Einsatzbereiche sowie Nacht- und Wochenendzuschläge später mehr verdienen – ganz unabhängig davon, wo die Kugel am Roulettetisch am Ende liegen bleibt.

































