Streitkräfte proben den HäuserkampfNATO-Übung in Ostwestfalen – britische Armee probt den Ernstfall
Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens in Gütersloh üben britische Soldaten derzeit den Kampf um Häuser und Straßen – mit scharfer Taktik, aber Platzpatronen. Die Übung ist Teil eines sechswöchigen Manövers mit 3.500 Soldaten, welches die Reaktionsfähigkeit der britischen Armee im Bündnisfall testen soll.
Hightech im Scheingefecht
Was für Außenstehende nach echten Gefechten aussieht, ist genau durchgeplant. Auf dem Areal sind Angreifer und Verteidiger klar gekennzeichnet: Die angreifenden Kräfte tragen rote Markierungen, die Verteidiger nicht. Geschossen wird nur mit Übungsmunition. Ob ein Schuss „sitzt“, entscheidet ein Laser-System. Dieses System heißt TES - die Abkürzung steht für „Tactical Effects Simulation“. An den Waffen ist ein Lasersender montiert, an Helm und Körperschutz befinden sich Detektoren. Wenn ein Soldat feuert, erzeugt der Laser eine Art virtuelle Blase um seinen Körper. Trifft der Strahl den Helm- oder Körperdetektor des Gegners, wertet das System den Treffer aus: Der Soldat gilt dann als getötet, verletzt – oder als unverletzt, wenn der Schuss vorbeiging. Wer „getroffen“ wurde, nimmt den Helm ab und scheidet vorübergehend aus. Ganz endgültig ist das aber nicht. Jeder Soldat hat mehrere „Leben“. Das hat weniger mit Computerspielen zu tun, sondern mit Skalierung: So lassen sich in einem Häuserkampf mit rund 300 physisch anwesenden Soldaten Kampfszenarien mit etwa 2.000 Beteiligten simulieren. Insgesamt trainieren in der Region 3.500 britische Soldaten, was im Ernstfall nach einem Angriff auf die NATO gefordert wäre. Oberstleutnant Alex Mills ist Übungsleiter. Er beschreibt das Manöver als Abschluss eines sechswöchigen Einsatzes von 3.500 Soldaten und rund 1.000 Fahrzeugen aus dem Vereinigten Königreich. Ziel sei es, zu demonstrieren, dass man schnell von Großbritannien nach Europa verlegen und dort komplexe taktische Operationen gegen einen leistungsfähigen Gegner durchführen könne. Die Übung soll zeigen, dass Planung, Logistik und Feuerkraft unter realitätsnahen Bedingungen funktionieren.
Vom Drohnenangriff bis zur Ausbildungspflicht
Nicht nur der Häuserkampf wird durchgespielt. Die Presseteams dürfen auch einen simulierten Drohnenangriff beobachten. Statt teurer Spezialeffekte genügt einfache Symbolik: Ein wassergefüllter Luftballon steht für die Sprengladung. Platzt der Ballon über einem Lastwagen und ist dieser nass, gilt das Ziel als getroffen. So lässt sich mit einfachsten Mitteln darstellen, welche Wirkung ein Angriff aus der Luft hätte – und wie sich Fahrzeuge und Soldaten schützen müssen. Die Übung versteht sich vor dem Hintergrund einer angespannten Weltlage. Mike Whitehouse, Sprecher der britischen Armee in Deutschland, verweist auf weltweit zunehmende Spannungen. Armeen der NATO und ihrer Partner müssten sich darauf einstellen, sagt er. Das bedeute, intensiver zu üben und die Ausbildung konsequent an neue Technologien und Bedrohungen anzupassen. Man stehe in der Pflicht, den Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Ausbildung zu geben – auch, um im Ernstfall nicht überrascht zu werden. Am Montag (08.06.) endet das Manöver in Gütersloh. Dann ziehen die britischen Truppen wieder ab. Zurück bleiben ein aufgeräumtes Übungsgelände – und die Hoffnung aller Beteiligten, dass das, was trainiert wurde, nie in einem echten Krieg angewendet werden muss.

































