Tausende Bauwerke sind sanierungsbedürftigJede fünfte Brücke in NRW ist marode – wie geht’s weiter mit kaputter Infrastruktur?
Die Sperrung der Bonner Nordbrücke sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit. Am Freitag (05.06.) machte sich sogar der Bundesverkehrsminister vor Ort ein Bild der Lage. Doch das Problem reicht weit über Bonn hinaus: In Nordrhein-Westfalen sind tausende Brücken sanierungsbedürftig.
Politischer Besuch an der Nordbrücke
Die Situation in Bonn ist ernst: Risse haben die wichtige Rheinquerung der A565 seit Mittwoch (03.06.) lahmgelegt. Gemeinsam mit weiteren Politikern aus NRW besichtigte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) das beschädigte Bauwerk. Bonns Oberbürgermeister Guido Déus (ebenfalls CDU) fordert schnelle Lösungen: Die Menschen erwarteten pragmatisches Handeln, um das Verkehrschaos zu begrenzen. Dass die Brücke ersetzt werden muss, ist schon seit 19 Jahren bekannt. Ein Neubau ist bislang jedoch erst für die 2030er-Jahre vorgesehen. Für Vertreter der Wirtschaft ist das zu spät. Sie verweisen auf die Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid, die nach ihrer Sperrung vergleichsweise schnell neu gebaut wurde. Solche Verfahren müssten künftig deutlich beschleunigt werden.
Im Video: Interview mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU)
Tausende Brücken betroffen
Die Nordbrücke ist kein Einzelfall. Laut IHK-Brückenmonitor 2025 gibt es in NRW rund 13.200 Brücken. Mehr als 2.400 davon gelten als marode – also etwa jede fünfte. Besonders kritisch ist die Lage auf den Autobahnen: Mehr als 30 Prozent der Brücken sind sanierungsbedürftig. In anderen Bundesländern wie Bayern ist dieser Anteil deutlich niedriger. Ein Grund für den schlechten Zustand ist die steigende Verkehrsbelastung. Allein über die Bonner Nordbrücke fuhren zuletzt rund 120.000 Fahrzeuge täglich.
Kritik an jahrelanger Vernachlässigung
Der ADAC sieht die aktuelle Lage als Folge politischer Versäumnisse. Schon seit den frühen 2000er-Jahren sei auf den Sanierungsbedarf hingewiesen worden – passiert sei lange zu wenig. Die Folge: ein Dominoeffekt. Immer mehr Brücken fallen aus, mit erheblichen Auswirkungen auf Verkehr und Wirtschaft. Für die Region Bonn schätzt der ADAC den Schaden durch die Sperrung auf mehr als 170 Millionen Euro pro Jahr.
Wer zahlt – und wie geht es weiter?
Der NRW-Verkehrsminister verweist auf zusätzliche Investitionen in Straßen und Brücken. Allein in diesem Jahr seien 60 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellt worden. Der Bundesverkehrsminister betont, die Finanzierung eines Neubaus sei gesichert. Gleichzeitig gibt es Kritik an der Verwendung von Infrastrukturmitteln: Studien zufolge sei ein Großteil der Gelder zuletzt nicht wie vorgesehen eingesetzt worden. Klar ist: Der Sanierungsstau in NRW ist gewaltig – und die Sperrung der Bonner Nordbrücke könnte nur ein Vorgeschmack auf weitere Probleme im Land sein.































































