Selbstständigkeit mit altem HandwerkJunger Schuhmacher aus Kleve geht aussterbendem Beruf nach

von Antonia Schütter

Ein junger Mann aus Kleve hat seinen eigenen Schuhmacher-Betrieb eröffnet. Er hat dafür seinen alten Job aufgegeben und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.

Vom Sanitätshaus zur eigenen Werkstatt

In seiner Werkstatt trifft jung auf alt: Joris Derks, 32 Jahre alt, Schuhgröße 45 und seine Maschinen. Sie sind teilweise doppelt so alt, wie er. 2024 hat sich der Schuhdoktor selbstständig gemacht. In einem Beruf, der eigentlich ausstirbt: Schuhmacher. Mit 17 Jahren hat Joris Derks die Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher angefangen. Danach arbeitete er immer als Angestellter - zuletzt in einem Sanitätshaus. Nebenbei fing er an Schuhe zu reparieren. 2022 machte er seinen Meister. Zwei Jahre später folgte der große Schritt zur eigenen Werkstatt. Dafür hat er nach eigenen Angaben 100.000 Euro investiert.

One-Man-Show

Der 32-Jährige rotiert ganz schön: zwischen Reparaturen, orthopädischen Schuhen, Einlagen und Kunden. Sein Hauptgeschäft ist aktuell das Fixen von kaputten Tretern oder Taschen. Der kleinere Teil seiner Arbeit: Orthopädische Schuhe zu bauen, oder Einlagen herzustellen. Große Sanitätshäuser machen ihm ordentlich Konkurrenz - nicht aber bei den Reparaturen. Dafür gibt es nur einen weiteren Handwerker in Kleve. Die Arbeit eines Schuhmachers hat sich über die Jahre verändert. Die Treter, um die sich Joris Derks kümmert sind oft billig hergestellt und schlecht verarbeitet. Manchmal schickt er auch Kunden weg, weil sich eine Reparatur einfach nicht lohnen würde. Auf eine individuelle Beratung kann aber jeder zählen. Drückt der Schuh, kann Joris ein Stück Stoff einnähen. Damit ist es bequemer an der Ferse.

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Schuhgeschichte der Stadt Kleve

Kleve zählte einst zur Schuhhochburg. Bis zum Zweiten Weltkrieg prägten mehr als fünfzig Schuhfabriken mit mehreren Tausend Beschäftigten die Stadt. Durch die bekannte Marke „Elefanten“ wurde Kleve zum Zentrum der Kinderschuhindustrie. In den vergangenen Jahrzehnten schloss aber eine Fabrik nach der anderen. Was bleibt ist das „Schüsterken“ - ein Symbol für die einstige Schuhstadt. Es hat auch einen Platz in Joris‘ Laden. Er bringt mit seiner Arbeit einen Teil der Geschichte wieder zurück in die Stadt. Das Ziel von Joris: irgendwann auch auszubilden. Um so sein Wissen weiterzugeben. Damit der Beruf nicht ausstirbt.