Umstrittener „Koranleser“ in WittenJobcenter vermittelt 51-Jährigen aus Sicherheitsgründen nicht mehr – trotzdem bekommt er weiter Geld
In Witten ist Amer Ghanem als „Koranleser“ bekannt. Immer wieder zieht der 51-jährige Syrer durch die Stadt und liest öffentlich und laut aus dem Koran vor – zum Ärger einiger Anwohner. Jetzt sorgt der Umgang des Jobcenters mit ihm für Diskussionen: Aus Sorge um die Sicherheit der Mitarbeiter muss Ghanem seit Jahren offenbar weder Bewerbungen nachweisen, noch an Maßnahmen teilnehmen. Geld bekommt er trotzdem.
Jobcenter verzichtet auf Vermittlung
Amer Ghanem lebt nach eigenen Angaben seit 2015 in Deutschland und macht aus seiner Einstellung zum Jobcenter keinen Hehl. „Ich liebe dich, Jobcenter“, sagt er im Gespräch mit RTL WEST. Arbeiten möchte er nach eigener Aussage nicht. Und der 51-Jährige muss sich offenbar seit mindestens drei Jahren auch gar nicht um eine Vermittlung bemühen. Nach Informationen der BILD-Zeitung verzichtet das Jobcenter auf Bewerbungsnachweise und sogenannte aktivierende Maßnahmen. Als Begründung werden demnach die Vermeidung von Gefahrensituationen und Bedenken um die Sicherheit der Mitarbeiter genannt. Ghanem soll weiterhin monatlich 563 Euro erhalten.
Kreisverwaltung prüft den Fall
Der Umgang mit Ghanem wird inzwischen von der Kreisverwaltung des Ennepe-Ruhr-Kreises als Träger des Jobcenters überprüft. Schon vor Abschluss dieser Prüfung fällt die Einschätzung deutlich aus. „Unabhängig vom abschließenden Ergebnis dieser Prüfung bewertet die Kreisverwaltung den bisherigen Umgang mit dem Fall nach derzeitigem Erkenntnisstand als fehlerhaft“, teilt die Behörde RTL WEST mit. Nach Medienberichten soll die derzeitige Regelung noch bis Dezember gelten. Wie das Jobcenter danach mit Ghanem umgehen wird, ist bislang unklar.
Koran-Vorlesungen sorgen für Ärger
Auch abseits des Jobcenters ist Ghanem in Witten längst bekannt. Mit einem Palästinenserschal zieht er durch die Stadt und liest öffentlich aus dem Koran vor. Nach eigener Aussage hat er in drei Moscheen in Witten Hausverbot. Eine Palästina-Flagge, mit der er vorher unterwegs gewesen sein soll, wurde ihm nach eigenen Angaben von der Polizei abgenommen. Seine öffentlichen Auftritte sorgen immer wieder für Beschwerden wegen Lärms. Ghanem musste nach RTL WEST-Informationen bereits mehrfach wegen Ruhestörungen Strafen zahlen. Auch das Ordnungsamt beschäftigt sich weiter mit dem Fall. Volker Pompetzki (CDU), Fraktionssprecher im Wittener Stadtrat, kritisiert Ghanems Verhalten scharf. Wer Maßnahmen von Ordnungsamt und Polizei ignoriere und sein Verhalten trotzdem nicht ändere, zeige eine „absolute Ignoranz des Staates“. Das könne der Staat nicht hinnehmen, so Pompetzki.






























