Kartoffeln per AppHof Kallen in Dormagen setzt auf Onlinehandel
Kartoffeln vom Bauernhof kaufen, ohne selbst zum Hofladen oder in den Supermarkt zu fahren: Was für Landwirtin Helena Kallen vor einigen Jahren noch wie eine „Schnapsidee“ klang, ist inzwischen ein wichtiger Teil ihres Geschäfts. Der Hof Kallen in Dormagen verkauft mittlerweile bis zu zwölf Prozent seiner Kartoffeln über den Onlinehandel.
Bis zu fünf Tonnen Kartoffeln am Tag
Auf dem Hof Kallen in Dormagen wird täglich ordentlich angepackt. Täglich gehen hier drei bis fünf Tonnen Kartoffeln übers Band. Nach der Ernte werden sie sortiert und eingelagert. Je nach Bedarf werden die Knollen anschließend verpackt und für den Verkauf vorbereitet. Ein Teil landet ganz klassisch im eigenen Hofladen oder in Supermärkten. Doch immer mehr Kartoffeln nehmen einen anderen Weg: Sie werden online bestellt und bis vor die Haustür geliefert. Seit 2018 arbeitet der Familienbetrieb dafür mit einem Lebensmittellieferdienst zusammen.
Rund zehn Prozent der Kartoffeln werden online verkauft
Ende 2024 haben die 33-Jährige und ihr Bruder den Hof von ihren Eltern übernommen. Schon zuvor arbeiteten beide im Familienbetrieb mit. Dass der Online-Verkauf einmal eine so große Rolle spielen würde, hätte Helena Kallen damals nicht erwartet. Zu Beginn waren die Mengen noch überschaubar. Mittlerweile verkauft der Hof nach eigenen Angaben rund zehn bis zwölf Prozent seiner Kartoffeln online. Und die Landwirtin rechnet damit, dass der Anteil weiter wachsen wird. Für den Familienbetrieb hat das mehrere Vorteile. Die Bestellungen lassen sich besser planen und die Kartoffeln bedarfsgerecht liefern. Gleichzeitig erreicht der Hof Kunden, die für ihren Einkauf nicht extra nach Dormagen fahren würden.
Vom Hof ins Logistikzentrum und weiter zum Kunden
Bis die Kartoffeln vor der Haustür stehen, haben sie mehrere Stationen vor sich. Vom Hof Kallen geht es zunächst in ein Logistikzentrum nach Langenfeld. Dort werden die Einkäufe zusammengestellt und anschließend zu einem neuen Verteilzentrum in Dormagen gebracht. Von dort aus übernimmt ein Lieferdienst die sogenannte letzte Meile bis zum Kunden. Das Unternehmen hat seinen Standort in Dormagen nach eigenen Angaben auch wegen der großen Nachfrage eröffnet. Bereits vor dem Start hätten sich dort rund 10.000 potenzielle Kunden für den Service registriert, erklärt Theresa Spenrath von Picnic Deutschland. Der Standort zwischen Köln und Düsseldorf sei dafür besonders interessant. Rund 50 Mitarbeiter arbeiten in dem neuen Verteilzentrum. Von Dormagen aus sollen insgesamt etwa 90.000 Haushalte in der Umgebung sowie im Kölner Norden erreicht werden können.
Regionales Produkt – digitaler Vertriebsweg
Für Helena Kallen ist der Onlinehandel inzwischen mehr als ein zusätzliches Standbein. Er hilft dem Familienbetrieb dabei, seine Produkte über Dormagen hinaus zu vermarkten und gleichzeitig besser auf die Nachfrage zu reagieren. „Wir müssen innovativ sein, wir müssen uns auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen“, sagt die Landwirtin. Entscheidend sei, die Menschen dort zu erreichen, wo sie einkaufen wollen. Was 2018 noch wie ein Experiment klang, gehört auf dem Hof Kallen deshalb längst zum Alltag. Die Kartoffel kommt weiterhin direkt aus der Region – nur ihr Weg vom Acker bis auf den Teller wird immer digitaler.



