600 Kilo, viel Training und eine große VerantwortungEisbären im Ruhrgebiet - wie Nanuq und Bill in Gelsenkirchen leben

von Julia Westarp

NRW und Eisbären? Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist in Gelsenkirchen Realität. In der Zoom Erlebniswelt leben Nanuq und Bill - zwei ausgewachsene Eisbären. Besucher können dort eines der größten Landraubtiere der Welt aus nächster Nähe erleben.

Frühschicht für ein Schwergewicht

Der Arbeitstag beginnt früh. Um sieben Uhr morgens startet Tierpfleger Florian Beutel in den Tag. Noch bevor die ersten Gäste kommen, werden die Bären ins Innengehege geholt. Sicherheit hat oberste Priorität. Ein Eisbär kann bis zu 600 Kilogramm wiegen und aufgerichtet mehr als vier Meter groß werden. Anschließend wird die rund 3.000 Quadratmeter große Anlage gereinigt. Felsen, Rindenmulch und große Wasserbecken sollen an die Küsten des Nordpolarmeers erinnern. Mehrmals täglich kontrollieren die Pfleger Verhalten und Gesundheitszustand der Tiere.

Training als Gesundheitsvorsorge

Damit keine Langeweile aufkommt, lassen sich die Pfleger immer wieder neue Beschäftigungen einfallen. Tonnen zum Spielen, vergrabene Leckerbissen oder mit Lachsöl bestrichene Flächen, die abgeleckt werden müssen, sorgen für Abwechslung. Gleichzeitig lernen Nanuq und Bill Kommandos. Sie setzen sich ans Gitter, strecken die Pfote durch oder öffnen das Maul. So können Krallen, Haut und Zähne kontrolliert werden.

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Perfekt angepasst an die Kälte

Eisbären sind Meister der Isolation. Ihr dichtes, wasserabweisendes Fell hält trocken und tarnt im Schnee. Die Haare sind innen hohl. Eingeschlossene Luft wirkt wie eine natürliche Wärmedämmung. Darunter speichert schwarze Haut die Sonnenwärme. Selbst die behaarten Tatzen schützen vor Kälte und geben Halt auf Eis. Den wichtigsten Schutz bietet jedoch eine dicke Fettschicht.

Sechs Kilo am Tag

Zur Fütterungszeit stehen pro Tier rund sechs Kilogramm Fleisch oder Fisch auf dem Speiseplan, ergänzt durch etwas Obst und Gemüse. In freier Wildbahn sind Eisbären geschickte Jäger. Am liebsten fressen sie Robben. Mit ihrem feinen Geruchssinn spüren sie Beute sogar unter dem Eis auf. Geduldig lauern sie an Atemlöchern, bis eine Robbe auftaucht. Wenn der Moment kommt, sind sie schnell: An Land erreichen sie bis zu 40 Stundenkilometer. Im Wasser können sie bis zu zwei Minuten tauchen.

Ein bedrohtes Symbol des Klimawandels

Weltweit leben schätzungsweise noch 22.000 bis 31.000 Eisbären. Doch ihr Lebensraum schwindet. Satellitenmessungen zeigen seit Jahrzehnten einen deutlichen Rückgang des arktischen Meereises. Es taut früher und friert später wieder zu. Gerade im Winter und Frühjahr sind Eisbären auf das Packeis angewiesen, um Robben zu jagen. Verschwindet diese Plattform, verlieren sie ihre Jagdgebiete. Viele Tiere überleben nicht. Andere dringen auf der Suche nach Nahrung näher an Siedlungen heran. Zoos wie die Zoom Erlebniswelt verstehen sich deshalb auch als Bildungsorte. Besucher sollen dort erfahren, warum der Eisbär in freier Wildbahn ums Überleben kämpft.