Wenn der nächste Anfall jederzeit kommen kannDeutschlands größtes Epilepsie-Zentrum steht in Bielefeld
Ein kurzes Gewitter im Kopf: So beschreiben viele Menschen das Gefühl eines epileptischen Anfalls. Eine Krankheit, die weltweit Millionen Menschen betrifft.
640.00 Menschen in Deutschland leiden an Epilepsie
In Deutschlands größtem Epilepsie-Zentrum in Bielefeld werden Patienten aus ganz Europa behandelt. Sie hoffen dort, endlich wieder gesund zu werden. Alleine in Deutschland leiden 640.000 Menschen an der neurologischen Erkrankung. Hier in Bielefeld werden rund 6.000 Patienten pro Jahr behandelt. Einer von ihnen ist Phil Dölling. Mit Krankenhäusern kennt sich der Sechsjährige leider nur zu gut aus. Er hat Epilepsie und wurde vor zwei Jahren am Gehirn operiert. Heute ist er gemeinsam mit seinem Vater Timm Dölling zur Kontrolle im Krankenhaus Mara in Bethel. Das Besondere an der Familie: Auch Phils älterer Bruder leidet an Epilepsie und musste ebenfalls am Gehirn operiert werden. Den ersten Krampfanfall wird Vater Timm Dölling niemals vergessen.
Die Ärzte in Bielefeld sind Spezialisten
Die Ärzte in Bielefeld sind Spezialisten, wenn es um Epilepsie geht. Bei der Krankheit sind das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv und geben zu viele Signale ab. Das löst epileptische Anfälle aus, bei denen das Zusammenspiel der Nervenzellen im Gehirn vorübergehend gestört ist. Dabei zucken manchmal nur einzelne Muskeln. Es kann aber auch der gesamte Körper krampfen und der Betroffene verliert das Bewusstsein. Die Anfälle können sich ganz unterschiedlich zeigen. Sie dauern teilweise nur wenige Sekunden und können sogar unbemerkt bleiben. Jeder Patient wird in der Bielefelder Klinik dem Chef des Krankenhauses, Dr. Christian Bien, vorgestellt. Denn jeder Fall ist individuell und die Krankheit verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich.
Eine Gehirn Operation soll helfen
Bei dem kleinen Phil und seinem älteren Bruder haben die Ärzte zu einer Gehirn-Operation geraten. Wenn Medikamente nicht helfen, bleibt oftmals nur dieser Schritt. Für den Vater war das Warten während der Operation das Schlimmste. Phil hat den Eingriff vor zwei Jahren gut überstanden. Die Operation war ein voller Erfolg: Anfälle hat er seitdem nicht mehr. Während Vater Timm Dölling auf das Ergebnis der Nachuntersuchung wartet, ist Dr. Thilo Kalbhenn mitten in einer Operation. Seine Patientin ist eine Fünfjährige, bei der die beiden Gehirnhälften voneinander getrennt werden sollen. Das Kind leidet unter starker Epilepsie. Die Gehirn-Operation soll endlich helfen. Chirurg Thilo Kalbhenn hat rund 300 solcher Operationen erfolgreich durchgeführt. Etwa sechs Stunden dauert der Eingriff. Sechs Stunden höchste Konzentration, bei denen es auf jeden Millimeter ankommt.
Patienten werden mit einer Videokamera überwacht
Zur gleichen Zeit werden auf der Überwachungsstation des Krankenhauses 18 Patienten per Videokamera beobachtet. Bei einigen läuft parallel ein Dauer-EEG. So soll kein Krampfanfall unentdeckt bleiben. Einer der Patienten ist Detlef Walther. Der 75-Jährige hatte vor wenigen Wochen seinen ersten Krampfanfall. Bis dahin ging es ihm gut. Dreimal in der Woche macht er Sport und hält sich auch im Rentenalter fit. Doch mit der Epilepsie ändert sich sein ganzes Leben. Jetzt wird er in Bethel mit Medikamenten eingestellt. Die richtige Dosierung und die ständige Kontrolle seiner Blutwerte sollen die Anfälle stoppen. Gerade für Angehörige ist ein Krampfanfall nur schwer zu ertragen. Treffen kann es aber so gut wie jeden – unabhängig vom Alter.
Die Anfälle kommen plötzlich und unerwartet
Julia Janzen erlebt ihren ersten Krampfanfall mit 14 Jahren. Das stellt ihr Leben auf den Kopf. Eine Ausbildung zur Krankenschwester, der Führerschein oder Partys am Wochenende: All das ist für die heute 22-Jährige nicht oder nur eingeschränkt möglich. Auf der Station für Jugendliche sieht sie zum ersten Mal einen Krampfanfall bei anderen. Ein epileptischer Anfall lässt sich meistens nicht voraussagen und kann in jeder Situation auftreten. Die richtige Medikamentendosis soll Schutz bieten. Trotzdem ist die Angst vor dem nächsten Krampf immer da.
Epilepsie Behandlung seit mehr als 160 Jahren
Seit mehr als 160 Jahren werden Menschen mit Epilepsie in Bethel behandelt. Filmausschnitte aus dem Jahr 1931 zeigen, wie schwer es für die Patienten damals war, nicht aus der Gesellschaft ausgestoßen zu werden. Die Nationalsozialisten verboten den Film 1937. Menschen mit einer Behinderung hatten keinen Platz in ihrem Weltbild.
Angehörige leiden unter der Krankheit
Detlef Walther bekommt bei der Visite gute Nachrichten. Ein Schlaganfall hat bei ihm die Epilepsie ausgelöst – und gerade das macht seine Heilungschancen gut. Besonders seine Ehefrau leidet unter der Krankheit ihres Mannes. Aus Angst vor einem weiteren Anfall lässt sie ihn kaum noch alleine aus dem Haus. Jetzt kann sie aufatmen. Auch für den kleinen Phil gibt es gute Nachrichten. Die Nachuntersuchung zeigt, dass bei ihm alles in Ordnung ist und er endlich wieder nach Hause kann. Der Sechsjährige ist, genau wie sein Bruder, nach der Gehirn-Operation anfallsfrei und gesund. Nach sechs Stunden ist auch die Gehirn-Operation bei dem fünfjährigen Mädchen vorbei. Alles ist gut gelaufen und die Ärzte sind zufrieden. Doch die nächsten Fälle warten bereits auf die Spezialisten in Bielefeld.
































