Kölner Musiker prägen Sound der StadtBrings feiern 35. Geburtstag - Karnevalsband mit Haltung und Geschichte
Zum 35. Bandjubiläum feiern Brings sich selbst – und eine Haltung, die weit über Karneval hinausgeht. Die Kölner Rockband prägt seit Jahrzehnten den Sound der Stadt und mischt sich immer wieder politisch ein. Anfang Juli steht ein großes Open-Air-Konzert in Bonn an.
Mehr als Karneval
Für viele sind Brings vor allem eine feste Größe im rheinischen Karneval. Tatsächlich war die Band aber nie nur „jeck“. Von Beginn an verband sie ihre Musik mit einer klaren Haltung: offen, politisch, gegen Rassismus. Das zeigt sich auch im neuen Song „24/7“. Der Refrain beschreibt eine Kneipe – und zugleich Köln als offene Stadt. Hier sind alle jederzeit willkommen. Diese Doppeldeutigkeit ist typisch für Brings. Schon kurz nach ihrer Gründung 1991 engagierte sich die Band öffentlich. 1992 spielte sie beim Kölner Großkonzert „Arsch huh – Zäng ussenander“. Mit der Veranstaltung setzte die Kölner Musikszene ein Zeichen gegen Rassismus und Neonazis. Frontmann Peter Brings erinnert sich an 100.000 Demonstranten – und zieht einen ernüchternden Vergleich zur Gegenwart. Die Band blieb politisch, auch wenn sich Ton und Perspektive im Laufe der Jahre verändert haben.
Familie als prägender Einfluss
Geprägt wurden die Brüder Peter und Stephan Brings auch durch ihren Vater Rolly, selbst Musiker und engagierter Antirassist. Seine Haltung prägt die Band bis heute. Die Brüder könnten unterschiedlicher kaum sein: Peter fährt Auto, Stephan konsequent Fahrrad. Politisch jedoch liegen sie nah beieinander. Für Stephan ist Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit, die er früh vermittelt bekam.
Vom Rock zur kölschen Sproch
Anfangs sang die Band auf Englisch, spielte klassischen Rock und trat bei großen Festivals wie Rock am Ring auf. Der Wechsel ins Kölsche brachte Anfang der 90er den Durchbruch. Mit „Nur mer zwei“ gelang 1991 ein erster Charterfolg. Doch personelle Wechsel und schwierige Jahre folgten. 1994 kam Schlagzeuger Christian Blüm zur Band – trotz anfänglicher Vorbehalte wegen seines Vaters: CDU-Politiker Norbert Blüm.
Krise und Wendepunkt
Ende der 90er steckte die Band in einer Krise. Der Erfolg blieb aus, Frontmann Peter Brings kämpfte mit Selbstzweifeln, Alkohol- und Drogenproblemen. Die Wende kam im Jahr 2000 eher zufällig: „Superjeile Zick“, ursprünglich als Geburtstagslied gedacht, wurde zum Karnevalshit. In Kölner Kneipen verbreitet, entwickelte sich der Song schnell zum Selbstläufer.
Revolution im Karneval
Mit „Superjeile Zick“ begann eine neue Phase. Brings eroberten den Karneval – und veränderten ihn zugleich. Ihre energiegeladenen Auftritte, ihre politische Haltung und ihr Selbstverständnis als Rockband stießen zunächst auf Widerstand. Doch langfristig setzten sie neue Maßstäbe und öffneten den Karneval für moderne Einflüsse.
Klare Kante bis heute
Auch heute versteht sich die Band als politisch. Peter Brings betont, dass Künstler ihre Meinung äußern dürfen und müssen. Gleichzeitig hat sich der Fokus verschoben: Statt klassischer Links-rechts-Zuschreibungen betont die Band heute den Schutz der Demokratie als gemeinsame Aufgabe. Nach 35 Jahren ist ein Ende nicht in Sicht – auch wenn die Bandmitglieder inzwischen über 60 sind. Anders als andere Kölner Traditionsbands planen Brings keinen Austausch von Mitgliedern unter gleichem Namen. Gefeiert wird das Jubiläum am 03. Juli mit einem großen Open-Air-Konzert in der Bonner Rheinaue. Zwischen Karneval und Konzertbühnen bleibt die Band damit das, was sie immer war: ein kölsches Original mit klarer Haltung.

































