Förder-Irrsinn in OWLBielefelder Wasserstofftankstelle: Für Busse erlaubt – für Müllautos nicht

von Annalena Kirsten

Bielefeld wollte mit Wasserstoff hoch hinaus – emissionsfrei in die Zukunft starten. Dafür hat die Stadt sieben neue Wasserstoff-Müllwagen angeschafft, zum Preis von mehr als siebeneinhalb Millionen Euro. Aber aktuell stehen die Fahrzeuge still: In Bielefeld gibt es keine passende Tankstelle für sie.

Förderirrsinn in Bielefeld

Zwar existiert eine Wasserstoff-Tankstelle direkt an der Müllverbrennungsanlage. Das ist praktisch, hat aber einen Haken: Sie darf nur von Linienbussen genutzt werden, weil sie 2022 zu 90 Prozent mit Bundesmitteln für den Öffentlichen Nahverkehr gebaut wurde. Der FDP-Kreisvorsitzende Jan Maik Schlifter kritisiert: „Keiner weiß so richtig, wer zuständig ist. Keiner sagt es auch der Öffentlichkeit was, woran es wirklich hapert und liegt. Fakt ist nur, dass dort sieben Müllwagen pro Stück für eine Million Euro rumstehen.“

Bisher mussten die Fahrzeuge zum Tanken ins rund 40 Kilometer entfernte Rheda-Wiedenbrück. Doch dort wurde die Anlage Ende vergangenen Jahres geschlossen. Die nächste Möglichkeit wäre in Münster – 90 Kilometer entfernt.

Zukunft mit Wasserstoff?

Wie es besser laufen kann, zeigt das Beispiel Hamm: Dort verzichtete man bewusst auf Fördergelder, um die Tankstelle flexibel nutzen zu können. Ergebnis: Die gasbetriebene Müllflotte fährt problemlos. Und in Bielefeld? Laut NRW-Verkehrsministerium wurden der Stadt bereits im Dezember Wege angeboten, die Zweckbindung der Fördergelder aufzuheben. Eine Lösung soll kommen – irgendwann. Schriftlich teilt die Stadt mit, es würde Gespräche über eine Umnutzung der Tankstelle geben. Langfristig scheint ohnehin ein Technologiewechsel geplant zu sein: Bis 2030 will Bielefeld 35 E-Fahrzeuge in der Müllabfuhr einsetzen. Bis dahin übernehmen wohl weiter die alten Diesel – während die neuen Wasserstoff-Laster auf ihre nächste Tankfüllung warten.