Zwischen KI-Angst und ZukunftsjobAzubi-Messe in Köln: Warum sich viele Jugendliche fürs Handwerk statt fürs Büro entscheiden

von Niklas Bönsch

In der Kölner LanxessArena drehte sich beim „Azubi Meetup Handwerk“ am Dienstag (17.03.) alles um Berufe mit Bohrmaschine statt Bildschirm. Immer mehr Jugendliche sehen ihre Zukunft eher auf der Baustelle oder in der Werkstatt – auch, weil Künstliche Intelligenz klassische Büro- und Wissensjobs zunehmend unter Druck setzt.

„Büroarbeit ist nichts für mich“

Aro Haji weiß ziemlich genau, wohin es für ihn gehen soll. Er besucht ein Berufskolleg und will Kfz-Mechatroniker werden. Schraubenschlüssel statt Schreibtischstuhl. Ein Studium, um später im Büro zu landen, kommt für ihn nicht infrage. Er sagt, er sei motiviert und wolle arbeiten, dazu habe er „auch die Lust“. Büroarbeit dagegen sei nichts für ihn, dort würde er sich „niemals hinsetzen“, das dauere ihm zu lange und sei einfach nur nervig. Für Jugendliche wie Aro bietet das Azubi-Event eine Gelegenheit, Betriebe kennenzulernen, Fragen zu stellen und direkt Kontakte für eine Ausbildung zu knüpfen.

KI macht Studium unsicherer

Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz die Wahrnehmung von Studienfächern und Büroberufen. Manch einer hält ein Studium inzwischen für riskanter als früher, weil KI-Tools viele Aufgaben im Wissens- und Verwaltungsbereich übernehmen könnten. Die Arbeitslosigkeit unter Akademikern ist zuletzt gestiegen: Vor den Corona-Maßnahmen lag sie bei rund 2,1 Prozent, mittlerweile bei etwa 3,3 Prozent. Das Handwerk dagegen gilt bislang als relativ KI-sicher, da viele Tätigkeiten körperlich, vor Ort und schwer zu automatisieren sind. Entsprechend selbstbewusst äußern sich diejenigen, die schon in einem Handwerksberuf arbeiten.

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Offene Lehrstellen und ordentliche Gehälter

Für Interessierte stehen die Chancen gut: Im vergangenen Jahr blieb fast jede fünfte Ausbildungsstelle im Handwerk unbesetzt. Betriebe suchen händeringend Nachwuchs – von Dachdecker- bis zu Elektrobetrieben. Beim Verdienst muss sich das Handwerk nach Ansicht von Dachdecker-Unternehmer Florian Hemmersbach nicht verstecken. Er erzählt von Gesellen, die nach der Ausbildung und mit wachsender Erfahrung sehr gut verdienen können. Wer „Bock hat“, so beschreibt er es, könne als erfahrener Geselle oder Meister richtig Geld verdienen und müsse sich hinter Studenten oder Hochschulabgängern nicht verstecken.

Zahlen zeigen: Akademiker verdienen im Schnitt mehr

Ein genauer Blick auf die Durchschnittslöhne zeigt jedoch ein differenziertes Bild. Wer „nur“ eine berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, kommt im Schnitt auf etwa 4.000 Euro brutto im Monat – und liegt damit unter dem Einkommen von Akademikern. Mit einem Bachelorabschluss sind es im Schnitt bereits knapp 5.200 Euro. Wer zusätzlich einen Meistertitel erwirbt, kann gegenüber der reinen Ausbildung noch einmal rund 100 Euro brutto im Monat drauflegen. Allerdings reicht auch dieser Verdienst meist nicht an das Niveau von Beschäftigten mit Master oder vergleichbarem Abschluss heran, die im Schnitt bei rund 6.850 Euro brutto liegen. Die Frage „Handwerk oder Studium?“ lässt sich also weder mit einem bloßen Blick auf das Einkommen noch mit einem einfachen Hinweis auf KI beantworten.