Zwischen Wohlbefinden und Arbeitsmoral„Arbeiten mit der Gen Z“: Wenn Arbeit auf Augenrollen trifft – Bonner Restaurantkette geht viral

von Annalena Kirsten

Ein augenrollender Blick, ein genervtes Seufzen – und ein Chef, der mit seiner Mitarbeiterin einfach nicht auf einen Nenner kommt. Mit dieser Alltagsszene landet die Bonner Restaurantkette Tuscolo einen viralen Hit. Die kurzen Clips greifen humorvoll die Reibungen auf, die entstehen, wenn die Generation Z auf ältere Arbeitgeber trifft.

„Arbeiten mit der Gen Z“

Die Reihe trifft offensichtlich einen Nerv, denn die Videos wurden in den vergangenen Tagen millionenfach geklickt. Die Szenen werden zwar von Restaurantchef Pietro und zwei Influencerinnen gespielt, aber die Reaktionen im Netz zeigen: Viele erkennen die Realität dahinter sofort wieder. „Die Lustlosigkeit auf die Arbeit, das Nicht-Ernstnehmen – dadurch leidet die Produktivität“, sagt Geschäftsführer Pietro Esposito. Für ihn seien die Videos zwar ironisch gemeint, aber mit einem wahren Kern.

Zwischen Wohlbefinden und Arbeitsmoral

Wer zur Gen Z zählt, ist nicht eindeutig definiert. Manche starten mit dem Jahrgang 1995, andere Soziologen erst mit dem Jahrtausendwechsel. Das Statistische Bundesamt bezeichnet die Geburtenjahrgänge 1997 bis 2012 als Generation Z. Gemeint sind in jedem Fall Menschen unter 30 Jahren. Sie gelten als digital, selbstbewusst und fordern eine neue Arbeitskultur: weniger Überstunden, mehr Wertschätzung. Influencerin Eva Demchik ist 23 Jahre alt. Sie spielt in den Videos die junge Angestellte und verteidigt ihre Generation: „Wir sind nicht faul, wir achten nur stärker auf unser Wohlbefinden. Uns ist wichtig, gesehen zu werden und mit den Arbeitgebern offen zu kommunizieren.“ Nach Angaben der DAK arbeiten in Nordrhein-Westfalen rund 1,8 Millionen Menschen unter 30 Jahren. Laut Gesundheitsreport erleben 27 Prozent von ihnen regelmäßig Generationskonflikte, häufig auch mit Chefs. Die sind im Schnitt inzwischen Mitte 50, also Teil der Generation X.

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Humor statt Hitzigkeit

Doch anstatt sich über die Unterschiede zu ärgern, will die Restaurantkette Tuscolo lieber Brücken bauen. „Ohne Generation Z funktioniert es nicht“, sagt Pietro Esposito. „Ihr seid wichtig. Ohne euch können wir nichts machen.“ Die Antwort der jungen Influencerin: „Und ohne euch auch nicht – ihr habt das Know-how und die Erfahrung.“ Vielleicht liegt gerade darin der Schlüssel: miteinander reden, voneinander lernen – und manchmal einfach gemeinsam über die Unterschiede lachen.