Erdwärme aus vier Kilometern Tiefe20-Tonnen-Trucks suchen in NRW nach heißem Wasser
Wer direkt danebensteht, spürt es bis in die Beine: In Rhede bringen drei Spezialfahrzeuge den Boden zum Vibrieren. Die sogenannten Vibro-Trucks sollen herausfinden, was kilometerweit unter der Erde schlummert. Gesucht wird nach heißem Tiefenwasser, das künftig für die Wärmeversorgung genutzt werden könnte.
Vibro-Trucks bringen den Boden zum Beben
Drei jeweils rund 20 Tonnen schwere Messfahrzeuge sind im Auftrag des Geologischen Dienstes NRW unterwegs. Bei einem Testlauf in Rhede werden zunächst die Einstellungen vorgenommen. Ende der Woche wird es dann ernst. Das Ziel der Geologen: Gesteinsschichten finden, die tief genug liegen und heißes Tiefenwasser enthalten. Dieses Wasser könnte anschließend nach oben gefördert und für die Wärmeversorgung genutzt werden. Insgesamt legen die sogenannten Vibro-Trucks auf ihrer Tour 180 Kilometer quer durch NRW zurück. Alle 30 Meter stoppen die Fahrzeuge. Mithilfe einer Rüttelplatte aus Stahl werden dann Vibrationswellen erzeugt und in den Untergrund geschickt.
Ein Ultraschallbild vom Untergrund
Die Vibrationswellen reichen bis zu vier Kilometer tief in den Boden. Dort werden sie von den verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert und zurück an die Oberfläche geschickt. Kleine Empfängergeräte zeichnen die Signale auf. Nach der Auswertung entsteht ein Bild des Untergrunds. Geologin Kim Nokar vom Geologischen Dienst NRW vergleicht das Verfahren mit einem Ultraschallbild. So lässt sich erkennen, welche Gesteinsschichten sich in welcher Tiefe befinden. Die Vibrationen der schweren Fahrzeuge sind dabei deutlich zu spüren. Selbst in etwa fünf Metern Entfernung kribbelt es noch in den Beinen. Bis zu 50 Meter weit sollen die Erschütterungen wahrnehmbar sein.
NRW setzt auf Erdwärme
Die sogenannten Seismik-Messungen sind Teil des Masterplans „Geothermie NRW“. Das vom Land NRW finanzierte Programm unterstützt Erdwärmeprojekte. Die Wärme aus dem Boden soll eine nachhaltige, lokale, unabhängige und kostenstabile Alternative zu anderen Energien werden. Bis 2045 sollen in NRW rund 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Erdwärme gedeckt werden.
Messungen laufen bis Ende November
Bis Ende November sind die Vibro-Trucks noch auf Erkundungstour durch NRW. Die Messungen finden überwiegend nachts statt. Wie groß das Potenzial für Erdwärme in den Böden Nordrhein-Westfalens tatsächlich ist, steht noch nicht fest. Unter Rhede könnte aber so einiges schlummern.

































