Kürzung oder Weiterentwicklung?Streit um Schulbegleitungen in Hamburg! Was bedeutet das für die Betroffenen?

Schüler sitzen in einer Inklusions-Klasse unter dem Schriftzug «Inklusion».
Inklusionskinder müssen um ihre Schulbegleitungen fürchten. (Symbolbild)
Jonas Güttler/dpa
von Florent Gallet und Dominik Strothotte

Strengere Regeln bei Schulbegleitungen!
Die Hamburger Schulbehörde will strengere Voraussetzungen für die Genehmigung von Schulbegleitern für Kinder mit Behinderung oder größerem Förderbedarf durchsetzen. Sozialverbände und Träger fürchten eine deutliche Einschränkung bei der Betreuung. Die Behörde spricht von einer Weiterentwicklung, Kritiker von Kürzungen: Was die Pläne für Eltern, Schulbegleiter und Kinder bedeuten.

Kündigungen für Fachpersonal

Die Schulbehörde will das System der Schulbegleitung umorganisieren, dabei Geld sparen und das schon zum nächsten Schuljahr. Pädagogisch ausgebildetes Personal soll dann nicht mehr für Kinder mit Behinderung oder größerem Förderbedarf eingesetzt werden, die Arbeit stattdessen auf Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr umverteilt werden.

Sebastian ist einer dieser ausgebildeten Fachkräfte. Zusammen mit Hunderten weiteren Schulbegleitern findet er Anfang Juli eine Kündigung im Briefkasten: „Diese Veränderungen, die uns ja als Weiterentwicklung verkauft werden, sind nichts anderes als eine versteckte Kürzung“, erzählt er im RTL-Interview.

Sebastian hat zwei Kinder durch ihren Schulalltag begleitet. Jetzt wird er gekündigt.
Sebastian hat zwei Kinder durch ihren Schulalltag begleitet. Jetzt wurde ihm gekündigt.

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Ein Jahr lang gar keine Begleitungen

Fakt ist: Die Kosten für Schulbegleitungen sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Waren es 2012 noch 6,75 Millionen Euro, hat Hamburg 2025 bereits über 40 Millionen Euro für begleitendes Personal in Schulen ausgegeben. Was viel klingt, deckt aber noch lange nicht die Bedarfe. Bei rund 15.600 Schülern mit Förderbedarf wurden im laufenden Schuljahr nur 4.011 Schulbegleitungen bewilligt.

Ab dem kommenden Schuljahr soll diese Zahl wieder sinken. Damit das klappt, sollen Kinder mit Handicap zukünftig im ersten Jahr überhaupt keine Begleitung mehr erhalten.

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Müssen Kinder bald zu Hause betreut werden?

Die Idee, auf die Kosten zu schauen, sei grundsätzlich sinnvoll, findet Tobias Joneit, Vorsitzender des Vereins Leben mit Behinderung. Die Pläne zur Umstrukturierung seien aber überstürzt, mahnt Joneit im RTL-Interview. „Eltern befürchten, dass sie von der Schule angerufen werden und dass es dann heißt: Wir haben keinen Schulbegleiter, wir haben nicht ausreichendes Personal. Holen Sie bitte Ihr Kind ab. Betreuen Sie das Kind heute gerne zu Hause.”

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„Merken, dass der Bedarf zugenommen hat”

Sollte ein Kind mit Betreuungsbedarf keine Begleitung mehr erhalten, „dann könnte es passieren, dass dieses Kind eben nicht in der Lage ist, am Schulunterricht teilzunehmen“, fürchtet Pädagoge Sebastian. Er findet, es müsste eher mehr statt weniger investiert werden: „Ich habe noch keine Personen getroffen, die gesagt hat: Nein, das kann ich verstehen, weil Schulbegleitung nicht gebraucht wird.”

Tobias Joneit sieht das ähnlich: „Wir merken, dass der Bedarf zugenommen hat in der vergangenen Zeit und dass dem Bedarf auch in den vergangenen Jahren schon nicht entsprochen wird.“

Bewilligungen sollen besser geprüft werden

Die Schulbehörde beteuert, dass es sich bei der Umorganisierung nicht um Kürzungen handele. Für Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) sind die gestiegenen Bewilligungen für Schulbegleitungen fachlich nicht zu erklären. Die „Spielräume bei der Bewilligung“ sollen daher enger gezurrt werden. Zukünftig soll deshalb genauer geprüft werden, welche Schüler eine Begleitung benötigen. Die Schulbehörde betont, wer Unterstützung brauche, werde sie auch künftig erhalten. Aber wohl von weniger Begleitern und nur noch in Ausnahmefällen von Fachkräften wie Sebastian.

Verwendete Quellen: eigene RTL Recherchen, dpa, Schulbehörde Hamburg