„Sie ist tot, sie ist tot”Jeremy R. soll seine Oma aus Habgier mit 58 Messerstichen getötet haben

Der Angeklagte kann selbst nicht hinsehen.
Im Landgericht Itzehoe kommen am Freitag (10. April) die grausamen Details einer Tat ans Licht, die sprachlos macht. Ein 20-Jähriger soll seine eigene Oma aus Habgier brutal ermordet haben. Jetzt steht Jeremy R. vor Gericht.
58 Stiche und ein eiskalter Plan?
Die Anklage wiegt schwer: Jeremy R. soll sich im Oktober 2025 durch die Terrassentür Zugang zum Haus seiner Großmutter Sabine R. in Besdorf verschafft haben – bewusst dort, wo es keine Videoüberwachung gibt. Er soll „dort auf die Geschädigte getroffen sein, diese mit mehreren Messerstichen getötet haben und anschließend dann Wertsachen entwendet haben”, sagt Staatsanwältin Madeleine Hader im RTL-Interview.
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17 Stiche in Kopf und Hals, 41 in den Rücken der wehrlosen Frau. Laut Gerichtsangaben werden innere Organe verletzt, die Frau stirbt an massivem Blutverlust und Atemversagen. „Aus diesem Grund gehen wir von dem Mordmerkmal der Habgier aus“, so Madeleine Hader. Im und am Haus finden die Ermittler durchwühlte Taschen, viel Bargeld, ein Messer, einen Taser und eine Schreckschusswaffe.
„Sie ist tot, sie ist tot”
Beim Prozessauftakt werden Tatortfotos gezeigt. An die 100 Bilder, die kaum zu ertragen sind. Man sieht die eingeschlagene Tür und den blutüberströmten Körper der 65-Jährigen. Jeremy R. senkt währenddessen den Kopf, presst sich die Hände vor Mund und Augen. Der 20-Jährige will offenbar nicht sehen, was er angerichtet haben soll. Auch die Nebenklägerinnen, seine eigene Mutter und deren Schwestern, wenden den Blick ab. Sie alle haben an diesem Tag ihre Mutter verloren.
Nebenklagevertreter Jens Hummel beschreibt die Situation im Gespräch mit RTL so: „Insbesondere die Mutter ist hier natürlich einer Ambivalenz ausgesetzt im Hinblick auf ihre Situation, dass die Mutter hier getötet wurde und der Sohn hier als Angeklagter steht. Das ist einmal eine Belastung, die sich abbildet in dieser Rolle.”

Sabine R. wird von ihrem Lebensgefährten gefunden. Er alarmiert auch die Polizei. „Sie ist tot, sie ist tot”, soll er laut einem Polizisten, der als Zeuge aussagt, immer wieder völlig aufgelöst gesagt haben. Eine weitere Beamtin berichtet dem Gericht, der Mann habe sofort den eigenen Enkel als Täter vermutet, da dieser schon früher eingebrochen sei, um Geld zu stehlen.
Sabine R. war in dem kleinen Dorf bei Wacken bekannt, weil sie einen Campingplatz betrieb und auch selbst auf dem Gelände wohnte.
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Flucht endet in Handschellen
Nach der Tat flieht Jeremy R. mit einem weißen VW Golf, baut während der Fahrt mehrere Unfälle. Die Polizei fahndet öffentlich nach dem Wagen – kurz darauf wird er gestoppt. Noch am selben Tag klicken die Handschellen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Im Gericht wird außerdem bekannt: Zur Tatzeit lebte Jeremy R. ohne festen Wohnsitz, hielt sich bei Freunden auf. Zu den Vorwürfen schweigt er zunächst, kündigt aber an, sich später äußern zu wollen.
„Der Angeklagte ist Heranwachsender zur Tatzeit gewesen, so dass für den Fall, dass das Jugendstrafrecht hier zur Anwendung kommt, grundsätzlich eine Höchststrafe von zehn Jahren Jugendstrafe in Betracht kommt”, meint Staatsanwältin Madeleine Hader im Gespräch mit RTL. Im Prozess sind noch zwölf weitere Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil soll voraussichtlich Anfang Juli fallen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



