Dürrefolgen spüren Landwirte im Norden jetzt schonMeteorologin warnt! „Bisher das trockenste Frühjahr”

Ein bisschen Regen könnte jetzt für Entspannung auf den Feldern führen. (Archivbild)
Die Landwirte kämpfen mit der anhaltenden Dürre. (Symbolbild)
Markus Scholz/dpa

Zwar kommt es derzeit immer wieder zu Schauern, doch reicht das?
Aktuell haben wir laut Experten ein so trockenes Frühjahr wie lange nicht mehr. Das sorgt für Verunsicherung bei vielen Landwirten. Sie sorgen sich um ihre Ernte.

Zu wenig Regen

„Rein von den Niederschlagsmengen ist es bisher das trockenste Frühjahr, das wir überhaupt jemals hatten in Deutschland, auch besonders im Nordwesten”, erklärt Annika Brieder, Meteorologin im Klimahaus Bremerhaven. „Da haben wir bisher eigentlich nur ein Viertel von dem Regen runtergekriegt, was wir eigentlich sonst so jetzt im Frühjahr haben müssten, das ist schon verdammt wenig.”

Lese-Tipp: Kommt die Höllenhitze plus extreme Dürre? Das ist die RTL.de-Sommerprognose

Getreide leidet aktuell erheblich

Auch die Landwirte merken die extreme Trockenheit, sagt Thorsten Riggert, Landwirt und Vorsitzender des Pflanzenausschusses beim Landvolk Niedersachsen. „Wir wollen ja keine Extreme in den Mund nehmen, aber es ist schon herausfordernd.” Ein Vorteil sei, dass durch das nasse Jahr 2024 die Böden recht gesättigt gewesen seien, allerdings komme man nun langsam ans Ende. „Das ist natürlich schon etwas, was sich auch in der Entwicklung der Pflanzenwelt niederschlägt und wir haben deutliche dürre Symptome im Bereich Getreide und Kartoffeln, Zuckerrübe, Zwiebel (...) leidet natürlich im Moment auch erheblich.”

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Video-Tipp: Bauern machen auf sich aufmerksam

Auch wenig Regen ist psychologisch wichtig

In den nächsten Tagen kommt es immer wieder zu Schauern. „Erst mal ist es ein Tropfen auf heißen Stein”, erklärt Meteorologin Annika Brieder. „Diese einzelnen Schauer und auch diese stärkeren Gewittergüsse, die sind ja meistens stark, aber kurz und da kann der Boden das gar nicht so schnell aufnehmen.” Bedeutet, nur weil es jetzt wieder regnet, beruhigt sich die Trockenheit im Boden nicht. Landwirt Riggert erklärt, dass man ungefähr bei 140 Litern auf den Quadratmeter im negativen Bereich sei. Doch auch wenn die kleinen Mengen Regen nicht das große Defizit ausgleichen, sei etwas Regen wichtig: „Dann fragt man sich irgendwann, kann das überhaupt noch regnen? Also von daher ist das schon psychologisch wichtig.” So bliebe die Hoffnung der Bauern bestehen, denn auch das vergangene Jahr war für viele Bauern eine Herausforderung.

2020-_MG_9829_Thorsten_Riggert_-_Kopie.jpg
Thorsten Riggert hofft auf mehr Regen in den nächsten Wochen.
Bauernverband Nordostniedersachsen e.V.

2024 zu viel Regen

„Die Ernte 2024 war geprägt durch (...) zu viel Niederschläge, zur falschen Zeit sozusagen und eben auch durch kühle und nasse Witterung zur Ernte.” In diesem Jahr schien erstmal alles normal, doch jetzt rechnet Thorsten Riggert in vielen Fällen nur mit der Hälfte des eigentlichen Ertrages. „Das ist natürlich eine Vollkatastrophe, also solche zwei Jahre aus unterschiedlichsten Gründen hintereinander.”

Lese-Tipp: Alarmierende Entdeckung! Dürre lässt sogar die Frösche vertrocknen

Landwirt kritisiert Bewässerungsregulierung

Da die Getreidepreise vor allem an Südamerika gemessen werden und dadurch nicht auf eine schlechte Ernte in Deutschland reagieren, setzen laut Riggert viele Betriebe auf Sonderkulturen wie Gemüse, Kartoffeln, Zwiebeln oder Möhren. „Weil da natürlich die Regionalität und die Wertschätzung eine andere ist.” Doch auch hier gebe es Verbesserungsbedarf, denn die Bewässerung ist für Landwirte reguliert. „Wenn Sie früh anfangen ihr Getreide zu bewässern, weil es früh trocken ist, dann reicht das Wasser gegebenenfalls hinten nicht mehr für Kartoffeln, Zwiebeln, Zuckerrüben und dann haben sie da ein Problem.” Deswegen entscheiden sich laut Riggert viele Landwirte gegen die Bewässerung des Getreides. Und so werde immer mehr importiert. Es sei eine Unsicherheit bei den Bauern zu spüren. „Eine so frühe Trockenheit mit den frühen Einsätzen der Bewässerung, wo man weiß, dass die Entnahme eben geregelt und eingeschränkt ist. Die sorgt natürlich für eine extreme Verunsicherung, sollte ich jetzt bewässern oder nicht?” Trotzdem bleibe vor allem eins: Die Hoffnung auf genug Regen.