Sexueller KannibalismusJägerin frisst ihre Männchen nach dem Liebesakt

Sie wurde jetzt erstmals auch in Wolfsburg gesichtet.
Sie wurde jetzt erstmals auch in Wolfsburg gesichtet. 
Annette Riedl/dpa

Eine exotische Jägerin erobert Niedersachsen!
In Wolfsburg wurde jetzt ein wärmeliebendes Insekt entdeckt, das wegen seines Paarungsverhaltens berüchtigt ist: die Gottesanbeterin! Experten sehen in der Sichtung ein Zeichen dafür, dass der Klimawandel das Verbreitungsgebiet der Fangschrecke nach Norden verschiebt.

Wolfsburg: Fund bestätigt Nord-Trend

In Wolfsburg beobachtet Naturschützer Michael Kühn völlig begeistert eine europäische Gottesanbeterin. Die Sichtung passt zu Meldungen aus anderen Teilen Deutschlands. In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Gottesanbeterinnen in wärmeren Regionen unseres Landes gesichtet, zuletzt auch in Berlin. Der Fund in Wolfsburg zeigt, dass auch Niedersachsen bald zum neuen Lebensraum der Insektenart zählen könnte.

Die Gottesanbeterin tötet regelmäßig ihre Männchen.
Die Gottesanbeterin tötet regelmäßig ihre Männchen. 
Patrick Pleul/dpa

„Die extrem hohen Temperaturen in Deutschland und auch in Wolfsburg begünstigen die Ausbreitung dieser sehr interessanten Fangschrecke“, sagt Michael Kühn, vom NABU Wolfsburg. Eigentlich ist die Art in Südeuropa verbreitet: in Frankreich, Spanien und Italien. Steigende Durchschnittstemperaturen und heiße Sommer machen es ihr jetzt möglich, auch nördlichere Regionen zu besiedeln.

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Eine Jägerin mit tödlichem Liebesleben

Gottesanbeterinnen sind prächtige, aber auch knallharte Räuber: Sie fangen Heuschrecken, Fliegen und andere Insekten mit ihren dornenbestückten Fangarmen. Berühmt-berüchtigt ist ihr Paarungsverhalten: Laut NABU endet etwa ein Drittel der Paarungen für das Männchen tödlich, weil das Weibchen ihn nach oder sogar während der Paarung frisst. Weibchen erreichen dabei Größen bis zu acht Zentimetern, Männchen bis zu sechs Zentimetern.

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Für Menschen ungefährlich, aber ein Klimawandel-Warnsignal

Für Menschen stellen die Fangschrecken keine Gefahr dar. Für die Ökologie sind sie jedoch ein sichtbares Zeichen des Klimawandels: „Ohne den immer schneller werdenden Klimawandel würde diese Art niemals ihren Lebensraum so weit nach Norden ausbreiten können“, warnt Kühn. Die schnelle Veränderung der Fauna mache deutlich, wie stark sich Lebensräume verschieben. Wenn ihr eine Gottesanbeterin seht: Foto machen, Fundort notieren und Meldung an lokale Naturschutzgruppen wie den NABU weitergeben. So lassen sich Vorkommen besser dokumentieren und die Ausbreitung verfolgen. (ekr)

Verwendete Quellen: dpa