Bürgermeister zieht Bewerbung zurückHamburg stimmt gegen Olympia

Hamburg hat entschieden!
Am Sonntag (31. Mai) stimmen rund 1,3 Millionen wahlberechtigte Hamburger darüber ab, ob die Hansestadt sich als Austragungsort für Olympische und Paralympische Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Das Ergebnis ist eindeutig und steht schon fest, bevor alle Stimmen ausgezählt sind.
Olympia-Bewerbung scheitert erneut
Hamburg sagt Nein zu Olympia − das steht bereits vor Auszählungsende fest. Gegen 20.30 Uhr ist der uneinholbare Vorsprung dann amtlich: Alle Kreuze sind ausgezählt und Hamburgs Vorhaben einer OIympia-Bewerbung krachend gescheitert. Nur 45,1 Prozent aller Stimmberechtigten (293.819 Stimmen) hatten beim Referendum für Ja gestimmt, 54,9 Prozent (357.911 Stimmen) für Nein.
Damit ist das Ergebnis noch deutlicher als das der ersten Olympia-Bewerbung der Hansestadt und ein bitteres Déjà-vu für alle Befürworter. Bereits 2015 scheiterten die Bemühungen um eine Hamburger Kandidatur für die Spiele 2024 am Bürgerwillen. Damals stimmten 51,6 Prozent gegen Sommerspiele an der Elbe, nur 48,4 Prozent dafür.
Niederlage auch für Hamburgs Bürgermeister
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zieht noch am Abend erste Konsequenzen: „Dieses Votum ist für den Senat verbindlich. Ich habe deshalb soeben den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes und das deutsche Mitglied beim IOC darüber informiert, dass Hamburg die Bewerbung nicht aufrecht erhält.” Trotz Kritik der Opposition am Konzept und am Bürgermeister selbst will dieser sich am Abend nicht mehr zu Fragen äußern und verweist auf eine Pressekonferenz am Montag.

Auch für Olympia-Bewerbungschef Steffen Rülke ist das Votum ein herber Schlag: „Ich bin traurig und enttäuscht, dass die Kampagne für Hamburg nicht funktioniert hat”, sagt er in einem Statement. „Ich hätte mir gewünscht, dass Hamburg diese Chancen nutzt. Natürlich. Dafür habe ich geworben mit meinem Team gemeinsam. Wir waren damit nicht erfolgreich. Und dafür trage ich natürlich auch die Verantwortung.”
Große Freude bei Olympia-Gegnern

Bereits die Verkündung der ersten Zahlen sorgte bei den Linken und der Bürgerinitiative NOlympia als Bewerbungs-Gegner für Applaus, Jubel und entkorkte Sektflaschen. Als klar ist, dass der Vorsprung uneinholbar ist, freut sich Heike Sudmann, Co-Fraktionsvorsitzende der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Es ist einfach toll!” Die Hamburger hätten sich nicht beeindrucken lassen von der Werbemaschinerie der Befürworter und erkannt, dass das Finanzkonzept nicht seriös sei, sagt sie im Gespräch mit RTL. „Wir haben ganz andere Probleme”, betont sie und fordert den Senat auf, Konsequenzen zu ziehen: „Guckt, was Hamburg wirklich braucht!”
Lese-Tipp: 4,8 Milliarden Euro Kosten für Olympia in Hamburg!
Über eine halbe Million Briefwahlstimmen
Bis 16 Uhr hatten 60.587 Hamburger in den 698 Abstimmungsstellen der Stadt ihr Kreuz gesetzt. Zusammengerechnet mit den gut 560.000 eingegangenen Briefwahlstimmen entsprach das einer Wahlbeteiligung von 47,1 Prozent.
Lese-Tipp: Tschentscher vor Entscheidung: „Gibt (...) keinen geeigneteren Ort”
Vor dem Referendum war keine eindeutige Tendenz für oder gegen eine Bewerbung erkennbar. Der rot-grüne Senat um Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) positionierte sich als Initiator der Bewerbung pro Olympia - genauso wie die CDU und weite Teile der Wirtschaft und des Sports. Die Linke, die AfD und die Initiative NOlympia waren gegen das Vorhaben. Auch von Umweltschutzverbänden gab es Kritik.
Mit wem bewirbt sich Deutschland?
Das Hamburger Referendum sollte nur der erste Schritt sein: Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), mit welcher Stadt oder Region er in das internationale Rennen um die Austragung zieht. Konkret soll es um eine Bewerbung für die Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 gehen. Hamburg ist nun aus dem Rennen, weiter auf die Austragung hoffen können München, die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum und Berlin.
Sowohl in der Rhein-Ruhr-Region und in München haben die Bürger bereits für eine Olympia-Bewerbung abgestimmt. Die Zustimmung lag dabei jeweils bei rund 66 Prozent. Berlin verzichtet aus verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum und lässt das Abgeordnetenhaus abstimmen. Bei dem Bürgerentscheid von Hamburgs Partner Kiel im April stimmten 63,5 Prozent dafür, dass sich die Stadt für künftige Spiele in Deutschland als Segelstandort empfiehlt. (dpa/xas)
Verwendete Quellen: Ergebnisportal Wahlen Hamburg, dpa



