Drama über dem Hamburger Hafen vor 20 JahrenGeburtstagsgeschenk für Zwölfjährigen endet mit einem Flugzeugabsturz

Ein verunfalltes Flugzeug liegt auf dem Gleisbett eines Hamburger Bahnhofs.
An den Gleisen zerschellt: Hafenbahnhof Hamburg-Süd im Stadtteil Veddel. Vom Flugzeug des Typs De Havilland DHC-2 Beaver ist nicht mehr viel übrig.
dpa
von Suzan Üner und Dominik Strothotte

Wie konnte es zu dem Unglück am Hafen kommen?
Die Sonne strahlt, als Jörg Steber mit seinem Wasserflugzeug am Hamburger Hafen abhebt. An Bord fünf Gäste, die sich auf einen Rundflug über die Stadt freuen. Doch dieser endet im Desaster. Wenige Minuten nach dem Start an den Hamburger Landungsbrücken stürzt die Maschine ab.

Hafenrundflug endet im Gleisbett

2. Juli 2006: Mit seiner De Havilland DHC-2 Beaver, einem Wasserflugzeug, überfliegt der erfahrene Pilot Jörg Steber in einem weiten Bogen den Hamburger Stadtteil Veddel. Es sollte ein gewöhnlicher Hafenrundflug werden, wie ihn der 51-Jährige schon hunderte Male geflogen ist. Doch kurz nach dem Start fällt das Flugzeug wie ein Stein vom Himmel, zerschellt am Boden und geht in Flammen auf.

Vier Menschen sind sofort tot

Sechs Menschen sind an Bord der Maschine, vier davon sind sofort tot: „Unter den Vieren ein totes Kind und zwei Personen schwerst brandverletzt. Unter den Brandverletzten der Pilot“, berichtet Peter Braun von der Feuerwehr kurz nach dem Absturz. Das tote Kind: ein zwölfjähriger Junge, für den der Rundflug ein Geburtstagsgeschenk war. Auch Pilot Steber erliegt noch in der Nacht seinen schweren Brandverletzungen.

Lese-Tipp: Kurz nach dem Start in Frankfurt muss Boeing 747 von Lufthansa sofort in Köln landen

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Wie konnte es zu dem Unfall kommen?

130.000 Gäste hatte der Rundflugpilot bereits über Hamburg geflogen, 13 Jahre lang Erfahrung zu Luft und zur See. Steber kennt sich um den Hafen herum bestens aus, kennt auch die Regeln der Seefahrt. Wie also konnte es zu dem Unfall kommen? „Man muss sich diese Untersuchung vorstellen wie ein Puzzlespiel“, erklärt Johann Reuß, der die Flugunfalluntersuchung durchführt. „Wir haben auch Hinweise darauf, dass möglicherweise ein Brand schon vorher an Bord aufgetreten ist, bevor das Flugzeug aufgeschlagen ist“, so Reuß weiter.

Im Video: Schock in Chinas Hauptstadt

Materialfehler besiegelt Schicksal der Passagiere

Rund drei Monate dauern die Untersuchungen an. Dann bestätigen sich die Hinweise der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Durch ein Leck in der Kraftstoffleitung gerät der Motor in Brand und setzt aus. Der Pilot versucht noch notzulanden, doch die Maschine gerät außer Kontrolle: Sie streift mit der rechten Tragfläche den Boden, die Schwimmer reißen ab und schlagen auf einen abgestellten Waggon, bevor Rumpf und Tragflächen auf den Gleisen zerschellen und in Flammen aufgehen. Eine Tragödie, ausgelöst durch einen Materialfehler an der Kraftstoffleitung.

Lese-Tipp: Kampfjets steigen auf! Falscher Notruf löst Großeinsatz aus

Der letzte Rundflug

Die Fassungslosigkeit bei den Beteiligten sitzt auch noch ein Jahr nach dem Unfall tief, Flugleiterin Svenja Kine erträgt den Absturz nur schwer: „Die Maschine ist gestartet und kam nicht wieder. Und dann fällt erst mal alles über einen zusammen.“ Dennoch macht sie weiter und übernimmt auch bei dem neuen Betreiber der Wasserflug-Station die Flugleitung. Als knapp drei Jahre später eine Cessna 206 auf derselben Route verunglückt, wird der Rundflugbetrieb eingestellt. Seitdem fliegt kein Wasserflugzeug mehr über den Hamburger Hafen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche