Welche Auswirkungen hat der Anschlag in Berlin? Nur wenige Tage bis zum CSD in Hamburg! Polizei prüft Sicherheitskonzept

epi_1048973251_DPA BF_hngd34shih-v1-ax-ms6144.jpg_Christopher Street D.jpg
Am 1. August ist in Hamburg die Parade zum Christopher Street Day geplant. (Symbolbild)
Markus Scholz/dpa

Es soll ein buntes Fest werden - doch die Stimmung ist angespannt.
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terror-Anschlag auf den CSD in Berlin wächst auch in Hamburg die Sorge um die Sicherheit der Pride Week. So will die Polizei das Sicherheitskonzept für die Demo am kommenden Sonnabend (1. August) noch einmal schärfen und unter anderem die Zahl der Einsatzkräfte erhöhen.

Hamburg zeigt Anteilnahme

Neben der Regenbogenflagge hängt am Sonntag (26. Juli) auch ein Trauerflor am Hamburger Rathaus, um den Opfern der schrecklichen Attacke am Rande der Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin zu gedenken. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem „islamistischen Terroranschlag”.

Lese-Tipp: Warum der CSD-Attentäter trotz Freiheitsstrafe nicht in den Knast musste

Bereits am Sonntag versammelten sich laut Veranstalter Hamburg Pride etwa 800 Menschen an der Hamburger Binnenalster, um ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. In einer Schweigeminute hielten sich alle an den Händen, riefen gemeinsam „Happy Pride”. Mit dabei war auch Hamburgs Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal: „Es ist wichtig, dass wir jetzt alle ganz laut sagen, dass wir nicht zulassen sollen, dass das, was in Berlin das Ziel war - nämlich Angst und Schrecken zu verbreiten und wirklich auch queere Sichtbarkeit anzugreifen - (...) erreicht wird”.

Video-Tipp: Nach CSD-Attentat in Berlin: Ist das Strafrecht in Deutschland zu lasch?

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Für Hamburg bestehe keine akute Gefahr

Auch Hamburger Polizeikräfte waren an der bundesweiten Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter beteiligt. Jetzt will sie das Sicherheitskonzept für den Hamburger CSD erneut überprüfen: „Was ich Ihnen versprechen kann, ist, dass wir im Moment keine konkrete Gefährdung für Hamburg erkennen können, dass wir die Lage natürlich ständig wieder neu bewerten und dass wir natürlich auch unsere Sicherheitskonzepte jetzt noch mal überprüfen und wahrscheinlich auch anpassen werden”, sagt Hamburger Polizeipräsident Falk Schnabel am Rande der CSD-Kundgebung am Sonntag.

Beim Sicherheitskonzept will sich die Polizei vor allem den Schutz gegen Angriffe mit Pkw oder Lkw nochmal genau ansehen. „Wir werden unser Bestes tun für die Sicherheit, dass diese Veranstaltungen so wie geplant durchgeführt werden können,” so Schnabel. Dennoch laufe ständig bis kurz vor Beginn der Events eine ständige Bewertung möglicher Gefährdungen.

LGBTQ+ Community besonders besorgt

Neben Mitgefühl bringen die Menschen am Sonntag vor allem auch Sorgen vor dem CSD in Hamburg zum Ausdruck: „Ich habe Angst davor”, sagt Teilnehmerin und Einzelhandelskauffrau Amy-Joline Jehne. „Ich will eigentlich gar nicht auf die Straße gehen und dafür kämpfen, dass wir mehr Rechte bekommen. Aber das zeigt wieder, dass wir auf die Straße gehen müssen”, so die 20-Jährige.

Beim Veranstalter überwiegen mittlerweile Wut und Entschlossenheit: „Wir gehen am Samstag in Hamburg auf die Straße, um unsere Sichtbarkeit zu zeigen und um zu zeigen, dass wir zu dieser Gesellschaft dazugehören”, sagt Manuel Opitz, Hamburg Pride e.V. Dennoch fordert er Teilnehmer auf, am Wochenende in Gruppen anzureisen und nicht alleine unterwegs zu sein. „Angriffe auf CSDs in der Vergangenheit haben gezeigt, dass diese Angriffe nicht immer während der Demo oder auf den Straßenfesten selbst stattfand, sondern drumherum, das heißt zum Beispiel auf dem Nachhauseweg”, so Opitz.

Lese-Tipp: Todesopfer des CSD-Anschlags soll Mutter (65) aus Polen sein

Auch das Wacken Open Air hat zusätzliche Schutzmaßnahmen

Nicht nur in Hamburg werden Sicherheitskonzepte überprüft. Auch beim Wacken Open Air - Festival mit rund 85.000 Besuchern stehen Polizei und Veranstalter in engem Austausch. Neben dem erprobten Sicherheitskonzept auf dem Festivalgelände gibt es auch im Ort Wacken in Schleswig-Holstein zusätzliche Schutzmaßnahmen: „Das sind schreckliche Ereignisse, die man grundsätzlich mit einpreisen muss in einer Lagebeurteilung und wir haben nun mal eine relativ hohe abstrakte Gefährdung bei solchen Veranstaltungen”, sagt Frank Matthiesen von der Polizeidirektion Itzehoe. „Deswegen haben wir auch im Umfeld polizeiliche Maßnahmen am Laufen.”

250.000 Menschen beim CSD Hamburg erwartet

Am kommenden Sonnabend um 12:00 Uhr soll die CSD-Demo in Hamburg starten. Rund 250.000 Menschen werden laut Veranstalter erwartet. Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal hofft weiterhin, dass viele Menschen teilnehmen werden, nicht nur an der Demo, sondern auch den anderen Veranstaltungen anlässlich der Pride Week: „Habt weiter Mut und habt weiter Freude und seid weiter fröhlich in dieser Woche und geht weiter auf die Straßen und zu den Veranstaltungen”, so Blumenthal.

Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche