25 Jahre Miniatur WunderlandIm Reich der Winzlinge: Sie erschaffen die Magie von Hamburgs beliebter Mini-Welt

Um Vier Uhr geht in der Miniaturwelt die Sonne auf.
Während Hamburg noch schläft, klettern Techniker und Modellbauer über Berge, kriechen unter Gleise und retten schiefe Lkw. Denn um sieben Uhr kommen bereits die ersten Besucher.
Frühschicht im Miniatur-Getriebe
Die Pflegecrew ist schon da, bevor die Stadt erwacht. Petra Afty und Bastian Jakober hangeln sich über die Szenerie, polieren Laternen und setzen neue Bäume. Staub ist der heimliche Feind: Er kratzt an der Optik und verstopft die feine Technik. „Die größte Herausforderung ist letztendlich die, auf die Anlage raufzukommen und auch so vorsichtig zu sein, dass nichts kaputt geht“, sagt Petra Afty, während sie eine Mini-Laterne geradebiegt. Ihre Arbeit gleicht einer Mikro-Operation. Ein falscher Tritt und die Miniaturwelt braucht eine Not-OP. Fitnessstudio? Überflüssig — „Ich gehe nicht mehr ins Fitnessstudio. Das ist mein Fitnessstudio hier“, meint Petra auf RTL-Nachfrage.

Wenn Schraubenzieher so groß wie Zahnstocher sind
Techniker Arne Trienes und Felix Stoll steigen barfuß in die Welt der Berglifte: Schuhe aus, Balance an, Pinzetten bereit. Ein defektes Stahlseil hat die Mini-Schweiz lahmgelegt. Jetzt entscheiden halbe Millimeter über Auf- oder Abfahrt. „Wir tauschen jetzt das Stahlseil für den Werkaufzug,” erklärt Arne, während Felix mit Pinzette und Adlerauge die Rolle inspiziert.
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Die Fehlersuche zieht sich, Metall und Kleber spielen Katz und Maus, doch dann setzt sich der Aufzug wieder in Bewegung und es gibt dieses kleine, triumphierende „Nice“ von Felix. Ihre Werkzeuge sind winzig, die Probleme groß. Da zählt Fingerspitzengefühl mehr als Muskelkraft.

Miniaturmenschen mit Lebensgeschichten
Jaqueline Prodöhl ist Modellbauerin. Sie sitzt minutenlang an einer Figur, entfernt winzige Jacken, malt Haare nach und baut Valparaíso. Jede kleine Seele erzählt eine Geschichte: von echten Häusern, echten Reisen und von Mitarbeitern, die manchmal mehr Alltag als Künstler sind. „Mich stört jetzt aber an dieser Figur: Die trägt eine Jacke unterm Arm. Sieht eigentlich ganz cool aus, aber ich möchte sie nicht mehr haben“, sagt Jaqueline und arbeitet die winzigen Änderungen mit ruhiger Hand. Manche Figuren brauchen bis zu zwei Stunden Nachpflege, andere werden einfach umgestylt. Das Publikum möchte natürlich, dass die Figuren im Trend bleiben.

Die Brüder Gerrit und Frederik Braun und 25 Jahre Mut
Vor einem Vierteljahrhundert standen Gerrit und Frederik Braun mit zwei Millionen DM Schulden da und einer verrückten Idee: die größte Modelleisenbahn der Welt. Heute arbeiten fast 400 Menschen auf 10.000 Quadratmetern, 1.200 Züge tuckern, 11.000 Autos hupen, knapp 300.000 Figuren bevölkern die Kulissen. Aus der Idee wurde ein Milliarden-Pixel-Mikrokosmos, der jährlich 1,5 Millionen Besucher anzieht.

Am 16. August 2001 öffneten erstmals die Tore, in diesem Jahr wird in den 16. August reingefeiert: 600 Gäste kommen. 100 Menschen, die sich die 150 Euro Eintritt nicht leisten können, bekommen zudem die Möglichkeit, kostenlos an der Party teilzunehmen. Finanziert wird das über die Versteigerung der letzten 80 regulären Tickets. Wer eines dieser Tickets ersteigert, ermöglicht damit gleichzeitig einem anderen Menschen den Besuch. Alles, was über 300 Euro pro Ticket hinausgeht, soll zusätzlich an den Verein Kleine Wunder e.V. gespendet werden. Das teuerste Ticket sei für 600 Euro versteigert werden – insgesamt sollen so rund 3.000 Euro für den guten Zweck zusammenkommen.
Verwendete Quellen: RTL-Recherche




