Erkenntnisse einer StudieZu viele Deutsche machen „Dienst nach Vorschrift”

Fühlen sich Kolleginnen gestört, leidet die Arbeitsleistung oder gibt es vielleicht sogar Sicherheitsbedenken? Ist die Antwort nein, sollte Musik am Arbeitsplatz erst mal kein Problem sein.
In Deutschland machen zu viele Menschen „Dienst nach Vorschrift” (Symbolbild).
picture alliance/dpa / Jonas Walzberg

Zu viele Beschäftigte sind im „Energiesparmodus”!
Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die Ergebnisse für Deutschland liefert. Die Forscher halten auch fest: Diese Einstellung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kostet viel Geld – für die Volkswirtschaft!

Großteil hat schwache Bindung zum Arbeitgeber

In deutschen Büros und Werkhallen regiert häufig weiterhin nur „Dienst nach Vorschrift”. Diese Gruppe der „inneren Kündiger” habe 2025 volkswirtschaftliche Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 Milliarden und 142,3 Milliarden Euro verursacht, wie aus einer Berechnung des Instituts Gallup für den jährlich erscheinenden Gallup Engagement Index hervorgeht.

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„Die große Mehrheit der Beschäftigten ist emotional nur gering an ihren Arbeitgeber gebunden und erfüllt ihre Aufgaben pflichtgemäß, ohne sich darüber hinaus einzubringen”, heißt es im neuen Gallup Engagement Index, einer jährlich erscheinenden Untersuchung zur Motivation und emotionalen Bindung der Arbeitnehmerschaft in Deutschland.

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77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland hätten eine schwache emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. „Hochgebunden” und damit bereit, täglich einen Schritt mehr zu gehen, seien nur zehn Prozent. Damit wird der schlechte Wert aus dem Jahr 2024 um jeweils einen Prozentpunkt überboten.

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Schuld liegt bei der Unternehmensführung

Allerdings geben die Gallup-Experten dafür weniger den Mitarbeitern, als der jeweiligen Unternehmensführung die Schuld. „Geringe emotionale Bindung ist kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem”, sagte Studienleiter Marco Nink.

„Hier liegt erhebliches Potenzial brach. Emotionale Mitarbeiterbindung ist kein Nice-to-have, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor. Sie erhöht die Produktivität und senkt Kosten, indem sie Fehlzeiten und Fluktuation reduziert”, betonte er. „Viel zu viele Beschäftigte in Deutschland arbeiten jedoch im Energiesparmodus, trotz des insgesamt positiven Urteils über ihre Arbeitsbedingungen.”

Die emotionale Bindung wirke sich auch auf den Krankenstand aus. Die Gruppe derjenigen, die sich innerlich bereits verabschiedet haben, komme 2025 auf 9,7 Krankheitstage. Diejenigen mit hoher Bindung brachten es nur auf 5,6 Tage.

Beschäftigte haben Wunsch nach Stabilität

Trotz der geringen Bindung zum Arbeitgeber gebe es einen Wunsch nach Stabilität. Beschäftigte wollten wieder länger bei ihrem Unternehmen bleiben. Nachdem im vergangenen Jahr nur die Hälfte der Befragten auch ein Jahr später noch bei ihrem Arbeitgeber tätig zu sein wollte, ist dieser Anteil auf 56 Prozent gestiegen. Dennoch bleibe die Bereitschaft, weiter beim derzeitigen Unternehmen zu arbeiten, deutlich unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. 2018 lag sie etwa bei 78 Prozent.

Der Engagement Index wird von Gallup seit 2001 jährlich erstellt. Für die jüngste Untersuchung wurden zwischen dem 18. November und 20. Dezember 1.700 zufällig ausgewählte Beschäftigte ab 18 Jahren telefonisch interviewt. Die Ergebnisse sind Gallup zufolge repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland ab 18 Jahren. (nlu mit dpa)

Verwendete Quellen: DPA